Ich möchte in diesem Blog Werke von Dichterinnen und Dichtern einstellen, welche mir bei meinen Streifzügen durch die Welt der Poesie begegnet sind, und die mir gefielen. So wird dies ein ganz persönliches Kompendium, von dem ich mir dennoch erhoffe, dass es auch anderen Menschen Freude macht. Also, viel Spaß beim Stöbern wünscht Dingefinder Jörg Krüger.
Ernst
Lissauer war ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Publizist.
Zeitgenossen galt er als „der deutscheste aller jüdischen
Dichter“.Geboren:
16. Dezember 1882, Berlin Verstorben:
10. Dezember 1937, Wien, Österreich
Das
Bild „Die Liebe“ (1928) ist von Herbert von Reyl-Hanisch (1898 -
1937)
Alfons
Petzold, geboren am 24. September in Fünfhaus, gestorben am 25.
Januar 1923 in Kitzbühl, österreichischer Schriftsteller und
Arbeiterdichter, aus: Franziskus von Assisi
Eduard
Saenger 1880-1948. Aus: Nichts und Alles, eine Lehre von Adel, Im Wir
Verlag, Berlin 1923
Eduard
Saenger wuchs von 1883 bis 1888 in den USA und danach in einem
Waisenhaus in Deutschland auf. Er studierte Philologie in Berlin,
wurde promoviert und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Saenger
arbeitete als Journalist für verschiedene Zeitungen und als Sprecher
für den Rundfunk. Seine Übersetzung der Sonette Shakespeares
erschien 1909 im Insel-Verlag, er übersetzte das Waltarilied aus
dem Lateinischen. Saenger, der als Jude in Nazi-Deutschland
diskriminiert wurde, emigrierte 1935 nach England und versuchte dort
seinen Unterhalt als Privatlehrer, Übersetzer und Journalist zu
bestreiten.
Die
Illustration ist aus einem Hebräischen illustrierten Werk.
Frankreich ca. 1277-1286
Aus:
Angst und Erlösung, Verse, Der Zweemann Verlag, Hannover, 1920
Walter
Petry, geboren am 9. 8. 1898, Magdeburg; gestorben am 21. 7. 1932 in
Berlin an den Folgen eines Autounfalles. Dichter, Proust-Übersetzer
und Mitarbeiter an der Zeitschrift „Der Einzige“.
Erna
Gerlach
(Lebensdaten unbekannt), aus: Die Rote Erde, Monatschrift für Kunst
und Kultur, 1. Jahrgang, Heft 2, Juli 1919
Es
sind auch Gedichte von ihr zu finden in: Hartmut Vollmer, "In
roten Schuhen tanzt die Sonne sich zu Tod", Lyrik
expressionistischer Dichterinnen, Herausgegeben von Hartmut Vollmer,
Arche Verlag Zürich 1993
Aus:
Die Botschaft - Neue Gedichte aus Österreich, Ed. Strache, 1920
Elisabeth
Janstein, geboren als Elisabeth Jenny Janeczek am 19.
Oktober 1893 in Iglau, Österreich-Ungarn; starb am 31. Dezember 1944
in Winchcombe, Borough of Tewkesbury, England im Exil. Sie war eine
böhmisch-österreichische Dichterin und Journalistin.
Aus: Einsamer Wald - Ausgewählte Gedichte, Verlag von Frisch & Co., Wien und Leipzig, 1919
Lilli Recht wurde am 17. Februar 1900 in Hodolany / Hodolein bei Olomouc / Olmütz geboren.1938 emigrierte sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach Italien 1926 zog sie nach Prag, wo sie ihre Gedichte und Texte im Prager Tagblatt veröffentlichte. 1936 erschien ihr einziger Gedichtband Ziellose Wege. Lilli floh gemeinsam mit ihrer Schwester vor der nationalsozialistischen Besetzung nach Italien, 1941 wurde sie interniert. Nach ihrer Freilassung 1944 lebte sie in Neapel und später in Potenza. Weitere Lebensdaten sind nicht bekannt. Allerseelen aus: Ziellose Wege, Druck von Heinrich Mercy Sohn, Prag 1936
Karl Franz Kocmata, (16. Januar 1890, Wien – 29. November 1941, Wien), Pseudonym Karl Hans Heiding, war ein österreichischer Schriftsteller, Dichter, Zeitschriftenherausgeber und später Anarchist. Er war mit Erich Mühsam befreundet.
Das Bild „Allerseelen (1930) ist von Marianne von Werefkin (1860 - 1938)
Lou
Andreas-Salomé, geborene Louise von Salomé, geboren am 12. Februar
1861 in St. Petersburg; gestorben am 5. Februar 1937 in Göttingen,
Erzählerin, Essayistin und Psychoanalytikerin. Befreundet war sie
unter anderem mit Friedrich Nietzsche und Rainer Maria Rilke, mit dem
sie auch zwei Russlandreisen unternahm. „Die letzten 25 Lebensjahre
dieser außerordentlichen Frau gehörten der Psychoanalyse an, zu der
sie wertvolle wissenschaftliche Arbeiten beitrug und die sie auch
praktisch ausübte. Ich sage nicht viel, wenn ich bekenne, dass wir
es alle als eine Ehre empfanden, als sie in die Reihen unserer
Mitarbeiter und Mitkämpfer eintrat … Meine Tochter [Anna], die mit
ihr vertraut war, hat sie bedauern gehört, dass sie die
Psychoanalyse nicht in ihrer Jugend kennengelernt hatte. Freilich gab
es damals noch keine …“ Sigmund Freud, Nachruf auf Lou
Andreas-Salomé
Das
Bild ist von Gustaf Fjæstad (1868 - 1948)
Lou
Salomé mit Paul Rée und Friedrich Nietzsche 1882, Fotografie von
Jules Bonnet
Christian
Morgenstern, geboren am 6. 5. 1871 in München, gestorben am 31. 3.
1914 in Untermais, Tirol, aus dem Nachlass
Senna
Hoy, (eigentlich Johannes Holzmann; geboren 30. Oktober 1882 in
Tuchel; gestorben 28. April 1914 in Meschtscherskoje bei Moskau)
Anarchist und Schriftsteller.
Senna
Hoy entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie; sein Vater war
Lehrer. Als Jugendlicher bewegte er sich im Umkreis der
Theosophischen Gesellschaft und der SPD, brach jedoch spätestens
1902 mit diesen Strömungen. Er nahm das Pseudonym Senna Hoy an (von
Else Lasker-Schüler als Ananym aus seinem Vornamen gebildet) und
gründete 1904 – gefördert und mitfinanziert durch seinen Freund
Otto Buek – die anarchistische Zeitschrift Kampf. In ihr
setzte er sich nicht nur für eine Vielzahl tagespolitischer Themen
ein, sondern trat auch ein für die Abschaffung des Paragrafen 175
und damit für die Legalisierung der Homosexualität ein. Er war
Mitbegründer des Bundes für Menschenrechte und bis 1905 dessen
Präsident.
Wichtige
Mitarbeiter von Der Kampf waren unter anderen Else Lasker-Schüler,
Erich Mühsam, Franz Pfemfert; Herwarth Walden und Paul Scheerbart.
1905 wurde die Zeitschrift verboten, worauf Senna Hoy in die Schweiz
ging, wo er an der Zeitschrift Der Weckruf mitarbeitete. 1906 wurde
er in Zürich verhaftet. 1907 ging er nach Russland, um dort
politisch zu wirken, wurde jedoch schon im selben Jahr dort
inhaftiert und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Pfemfert,
Lasker-Schüler und andere setzten sich erfolglos für seine
Freilassung ein. Er starb 31-jährig am 28. April 1914 in der
Irrenabteilung des Gefängnisses Meschtscherskoje bei Moskau. (Wiki)
Ich
traure (Moskau
1914), aus: Das
Aktionsbuch, Berlin 1917
Luzifer
aus: Ohne
Herrschaft, Literarisches
Beiblatt des ‚Wohlstand für Alle‘, März 1914
Ricarda
Huch, geboren
am 18. Juli 1864 in Braunschweig,
gestorben
am 17. November 1947 in Schönberg/Taunus, Schriftstellerin,
Historikerin, Philosophin
„Ich
war ein geborener Protestant mit einer Vorliebe für Revolutionen und
Rebellionen ... Das Wort Freiheit war
das Zauberwort, das mein Herz schrankenlos öffnete.“
Ricarda
Huch promovierte 1892 als eine der ersten deutschen Frauen an der
Universität Zürich im Fach Geschichte. Danach arbeitete sie als
Bibliothekarin und als Lehrerin in Zürich und Bremen, aber:
»Ich
wollte vor allen Dingen leben und erleben, und darin schien mich die
Schule zu hemmen. Es war mir zumute, als sei ich in eine Meeresstille
geraten. Da war nichts mehr zu begehren, zu erkämpfen, zu wagen ...«
»Die
hingebende Liebe der Frauen zu den Männern ist offenbar das
Verbrechen der Frau, das an ihr heimgesucht wird ...«
Sie
wagt den Sprung in ein materiell nicht abgesichertes Leben. 1893
erscheint ihr erster großer Roman Erinnerungen
von Ludolf Ursleu dem Jüngeren, in
dem sie eine unglückselige Liebesbeziehung zu ihrem mit ihrer
Schwester verheirateten Vetter Richard Huch
verarbeitet. Nach ihrer Scheidung von dem italienischen Zahnarzt
Ermanno Ceconi – aus dieser Ehe stammt ihre Tochter, mit deren
Familie Ricarda Huch bis zu ihrem Tod zusammenlebt – heiratet sie
Richard, aber diese über Jahrzehnte ersehnte Ehe scheitert schon
nach drei Jahren. In der Zeit großer persönlicher Krisen erobert
sich Ricarda Huch eine Domäne der Männer, die Geschichtsschreibung.
Nach ihrer Arbeit über die Romantik wendet sie sich dem zu, was sie
schon in ihrer Jugend begeistert hatte, den Revolutionen und
Rebellionen. Sie schreibt über Garibaldi, Bakunin, Freiherr vom
Stein, Luther und Lassalle; es erscheinen die großen Werke über die
Revolutionen von 1848 und den Dreißigjährigen Krieg.
Als
erste Frau wird Huch 1930 in die Preußische Akademie der Künste
aufgenommen, aber schon 1933 erklärt sie ihren Austritt wegen des
Ausschlusses jüdischer oder politisch unliebsamer Mitglieder. Die
ersten zwei Bände ihrer Deutschen
Geschichte können
noch in Deutschland erscheinen, der dritte Band wird nicht mehr
veröffentlicht. Ricarda Huchs letztes Werk ist unvollendet geblieben
– auch das ein Buch über Freiheit und Rebellion: Porträts von
Widerstandskämpfern.
Brigitte
Warkus (1944 - 2005) Text von 1989, geschrieben anlässlich des
125. Geburtstages, auf der Seite FemBio
Aus:
Die Gedichte (1893-1908) Verlegt bei J. C. Bruns in Minden
(Westfalen) 1908
Aus:
Max Bruns Lesebuch Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Anne
Kathrin Pfeuffer, 2005 Nyland-Stiftung, Köln
Hermann
Hesse an Max Bruns [09.01.1906]: „ Hochgeschätzter Herr Bruns!
Ihre Dedikation ist mir wertvoll und ich sage Ihnen schönen Dank.
Der Geist des Buches tat mir wohl und auch in Betracht der Form ist
mir das Lesen erfreulich und bildend gewesen. Sie gehen einen anderen
Weg als ich, sind kühner und vielleicht voraussetzungsloser und
gerade das war mir wertvoll. Leider fällt mir das Schreiben von
Briefen unglaublich schwer, namentlich seit ich auch einen kleinen
Sohn habe, der Bruno heißt. Sonst würde ich mehr sagen. Ich wünsche
Ihnen von Herzen Gutes als Ihr Hermann Hesse“
Max
Bruns, geboren am 13. 7. 1876
in Minden) war Verleger, Übersetzer und Dichter. Unter anderem
übersetzte er Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen, an dieser
Übersetzung arbeitete er mit seiner Frau Margarete Bruns zusammen.
Er starb am 23. 7. 1945 in seinem Geburtsort an den Folgen eines
Raubüberfalls.
„Wenn
schon dem Menschen diese beiden Mittel gegeben sind, sich selbst zu
vollenden, die Liebe und die Kunst: wie sehr muß es ihm dann
vergönnt sein, sich bis zu seinen äußersten Möglichkeiten zu
steigern, wenn er dem Erlebnis der Liebe im Kunstwerk Ausdruck und
Gestaltung gibt!“ Max
Bruns
Das
Bild „Schiffe im Dunkeln“ ist von Paul Klee (1879 - 1940)
Isaac
Schreyer, Lyriker
und Übersetzer, geboren am 20. Oktober 1890 in Wiżnitz (Bukowina);
starb am 14. Januar 1948 in New York im Exil an einer Herzattacke, aus: Die Schaubühne, Nr. 9 und Nr. 8 1912. Die Zeitschrift
wurde 1905 von Siegfried Jacobsohn gegründet und 1918 in Die
Weltbühne umbenannt.
Das
Bild ist von Albrecht de Vriendt (1843 - 1900)
Jakob
Haringer, aus: Der
Reisende oder Die Träne -
Der Werke X. Band. In: Die Denkmäler 48/51, Ebenau bei Salzburg:
Grigat 1932
Jakob
Haringer, aus: Abschied.
Gedichte.
Berlin-Wien-Leipzig: Paul Zsolnay Verlag 1930
Jakob
Haringer, aus: Abschied.
Gedichte.
Berlin-Wien-Leipzig: Paul Zsolnay Verlag 1930
Jakob
Haringer (1898-1948)
„Seine
Gedichte waren Würfe, er hat nicht daran gefeilt und gearbeitet. Er
hatte keine Selbstkritik und gehörte zu den Autoren, bei denen
Herrliches neben ganz Schwachem steht… Haringer hatte mir 1945
das Fenster-Manuskript
angeboten. Wie oft er es zuvor schon anderswo versucht hatte, weiß
ich nicht… Nachdem wir uns kennengelernt hatten, kam Haringer in
regelmäßigen Abständen häufig nach Zürich und blieb jedesmal
etwa eine Woche bei uns zu Gast. Er gehörte fast schon zur Familie,
was er sichtlich auch genoß… Seine Egozentrik war gelegentlich
schon sehr anstrengend und seine Ausdrucksweise ziemlich vulgär, was
jedoch durch seine unglaubliche Infantilität gemildert wurde. Schwer
zu verdauen war – undifferenziert ausgedrückt – sein Größenwahn.
Er überspielte und kompensierte dauernd. Ein Bohemien war er nur
äußerlich, er suchte Geltung, Ansehen, materielle Bestätigung…
Bevor das Fenster in
Satz ging, kämpften wir lange und hartnäckig um das Manuskript.
Zunächst mußten fragwürdige Gedichte (zumeist überbordende
balladeske Gebilde) ausgeschieden werden. Im übrigen ging es
ausschließlich um Rechtschreibung und Zeichensetzung (er war darin
maßlos und inkonsequent). Er hat mich danach mit Vorliebe als
„Duden-Papst“ und „Genie-Killer“ beschimpft. Aber mit dem
Resultat war er dann doch sehr zufrieden und einverstanden, ja sogar
stolz darauf…“
Gregor
Müller (Verleger von Haringers Gedichtband „Das Fenster“in einem
Brief vom 9. Mai 1981 an den Aufbau-Verlag
„Die
Gedichte sind echtes Gewächs, keine lyrische Ware. Dreierlei gehört
zur Kunst: einmal, daß einer etwas ist, – einmal, daß er zu sich
gefunden hat, – einmal, daß er etwas kann. Das ist dreifache
Gnade. Haringer schreibt, wie ihm zu Mut ist. Dabei wäre nichts.
Aber er ist von Haus aus Lyriker und Könner. Und darum ist es alles.
Selbst wenn die Gedichte zu einem Teil sich formal nicht schließen,
als Einzelwesen schwer bestehen. Woran denke ich bei diesen Stücken?
An Tübingen, Hölderlin, die Maler Spitzweg, an Richter, Blechen.
Eine sehr deutsche Pflanze. Verschollener Typ eines vagierenden
Poeten. Er schreibt von Kinos, Cafés, aber fühlt Rothenburg und
Nürnberg…“
Alfred
Döblin über Jakob Haringers Lyrik
Das
Portrait von Jakob Haringer ist gemalt von Erich Büttner (1889 -
1936)
Die
drei vollendeten zwölftönigen Liedkompositionen op. 48 von Arnold
Schönberg (1874 - 1951) entstanden – wie die Datierungen der handschriftlichen
Quellen ausweisen – im Januar und Februar 1933, und zwar
Sommermüd Wenn
du schon glaubst op.
48, 1 am 14. und 15. I., Tot Ist
alles eins op.
48, 2 am 17. und 18. II., schließlich Mädchenlied Es leuchtet
so schön die Sonne op.
48, 3 zwischen dem 18. und 23. II. 1933.
Das
Portrait von Arnold Schönberg ist ein Selbstportrait (1910)
Erich
Ruschkewitz, der am 16. Juli 1904 in Bütow/Hinterpommern zur Welt
kommt, besucht zunächst das Gymnasium in Danzig. Ab 1923 nimmt er
mit politischen und satirischen Gedichten, Rezensionen,
Rundfunkkommentaren sowie lokalen Reportagen seine publizistische
Tätigkeit auf. Seine Beiträge erscheinen vor allem in der Danziger
Rundschau und in der Danziger Volksstimme, später auch in der
Satirezeitung Das Stachelschwein oder im Simplicissimus. Nur wenige
Schriftsteller Danzigs treten so wie er für die deutsch-polnische
Verständigung ein.
Mit
der Machtübernahme der Nationalsozialisten gewinnt für Ruschkewitz
seine jüdische Identität zunehmend an Bedeutung. Er beteiligt sich
aktiv am Leben der Jüdischen Gemeinde, wird Geschäftsführer des
Jüdischen Clubs und übernimmt 1939 die Redaktion des Jüdischen
Gemeindeblattes. Trotz des nach November 1938 gefassten Beschlusses
der Gemeindemitglieder zur geschlossenen Auswanderung bleibt
Ruschkewitz in Danzig, wird 1940 Mitglied der „Transportleitung“.
Am 7. Dezember 1941 wird er nach Riga-Jungfernhof deportiert, dort
verliert sich seine Spur. (Text: Versensporn)
Im
März 2017 erschien als 27. Heft der verdienstvollen Lyrikreihe
VERSENSPORN, durch die auch auf diesen Dichter aufmerksam wurde, eine
Textauswahl mit 39 Gedichten von Ruschkewitz.
Das
Bild ist von Lesser Ury (1861 - 1931)
Mit
freundlichen Grüssen A. Einstein.
Auf
einer Postkarte von Albert Einstein an Erich Ruschkewitz vom 4. Juli
1923
Himmelssehnend, lebenssatt; Euch
ist rings ein Thal der Schmerzen, Eine finst're Schädelstatt! Mag
in schreckenden Gesichten Bang vor mir das Schicksal
steh'n; Nie soll mich der Schmerz vernichten, Nie zerknirscht
und reuig seh'n! Freiem Leben, freiem Lieben, Bin ich immer
treu geblieben!
Leben - Meer, das endlos rauschend Mich auf
weiten Fluten trägt:
Deinen Tiefen freudig lauschend Steh'
ich sinnend, stummbewegt. Stürzt Gewittersturm, der
wilde, Jauchzend sich in's Meer hinein, Schau' ich in dem
Flammenbilde Meines Lebens Wiederschein. Freiem Leben, freiem
Lieben, Bin ich immer treu geblieben!
Liebe - von der Welt
geächtet, Von dem blinden Wahn verkannt, Oft gemartert, oft
geknechtet, Ohne Recht und Vaterland; Fester Bund von stolzen
Seelen Den des Lebens Glut gebar, Freier Herzen freies
Wählen Vor der Schöpfung Hochaltar! Freiem Leben, freiem
Lieben, Bin ich immer treu geblieben!
Und so lang' die
Pulse beben, Bis zum letzten Athemzug, Weih' der Liebe ich dies
Leben, Ihrem Segen, ihrem Fluch! Schöne Welt, du blühend
Eden, Deiner Freuden reicher Schatz Giebt für alle Schicksals
Fehden Vollen, köstlichen Ersatz! Freiem Lieben, freiem
Leben, Hab' ich ewig mich ergeben!
Louise
Aston, geboren am 26. November 1814 in Gröningen; verstorben am 21.
Dezember 1871 in Wangen im Allgäu), Schriftstellerin und
Vorkämpferin für die demokratische Revolution und Frauenbewegung.
Das Bild
ist von Johann Baptist Reiter (1813 - 1890) und zeigt vermutlich ein
Porträt von Louise Aston
Es waren
einmal acht lustige Könige; die lebten. Sie hießen aber so und so. Wer heißt
überhaupt? Man nennt ihn. Eines Tages aber sprachen die lustigen Könige
zueinander, wie Könige zueinander sprechen. „Die Welt ist ohne Salz; laßt uns
nach Salz gehen!“ sagte der zweite. „Und wenn es Pfeffer wäre“ meinte der
sechste. „Wer weiß das Neue?“ fragte der fünfte. „Ich!“ rief der siebente. „Wie
nennst du´s?“ fragte der erste. „Das Unterirdische,“ erwiderte der siebente,
„das Links, das Rechts, das Dazwischen, das Nächtliche, die Quadrate des
Unsinnlichen über den drei Seiten des Sinnlichen.“ „Und der Weg dazu?“ fragte
der achte. „Das einarmige Kreuz ohne Kopf und der Basis über dem Winkel!“ sagte
der siebente. „Also der Galgen!“ sagte der vierte. „Esto“ sprach der dritte.
Und alle wiederholten „Esto“, das heißt „Jawohl“.
Und die
acht lustigen Könige rafften ihre Gewänder und ließen sich von ihrem Narren
hängen. Den Narren aber verschlang allsogleich der Geist der Vergessenheit - -
„Betrachten wir den Galgenberg als
ein Lugaus der Phantasie ins Rings. Im Rings befindet sich noch viel Stummes.
Die Galgenpoesie ist ein Stück
Weltanschauung. Es ist die skrupellose Freiheit des Ausgeschalteten,
Entmaterialisierten, die sich in ihr ausspricht. Man weiß, was ein mulus ist:
Die beneidenswerte Zwischenstufe zwischen Schulbank und Universität. Nun wohl:
ein Galgenbruder ist die beneidenswerte Zwischenstufe zwischen Mensch und
Universum. Nichts weiter. Man sieht vom Galgen die Welt anders an und man sieht
andre Dinge als Andre“.
Christian Morgenstern, geboren am 6. 5. 1871 in München,
gestorben am 31. 3. 1914 in Untermais, Tirol
Musik im
Video: Dingefinder, erstellt mit Music Maker Jam und MuseScore, bis auf die
Soloflöte, Syrinx von Claude Debussy
Es wurden
Bilder verwendet im Video von Alice Bailly, Robert Bateman, John Bauer, Albert
Bierstadt, Hieronymus Bosch, Edmund Dulac, Augusto Giacometti, Paul Goesch, Max
Frey, Vilhelm Hammershøi, Hugo Henneberg, Ferdinand Hodler, Eero Järrnefelt, Heinrich
Lefler, Sidney Lomg, Edward Okun, Niko Pirosmani, Ernest Procter, Arthur Rackham,
Andrea Rausch, Herbert von Reyl-Hanisch, Briton Rivière, Eric Harald Macbeth Robertson,
Henry Rousseau, Georg Schrimpf, Carlos Schwabe, Franz Sedlacek, Jessie Willcox
Smith, Ernst Stöhr, Sergei Jurijewitsch Sudeikin, Hans Thoma, Anna Traquair,Victor Vasnetsov,Elihu Vedder, Sarah Stilwell Weber, Henryk Weyssenhoff,
Michal Wygrzywalski u. a.
Die Bilder
sind gemeinfrei bis auf das von der 2016 verstorbenen Fredelsloher Künstlerin
Andrea Rausch, mit freundlicher Genehmigung der Hedi-Kupfer-Stiftung Fredelsloh
als Nachlassverwalterin.
Dingefinders LYRA: LYRA ist die Abkürzung
für LYrikRAdio und bezieht sich auf die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube
dazu gekommen. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der
Blog (Dingefinders Lesebuch) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die
Reihe wird fortgesetzt.