Ich möchte in diesem Blog Werke von Dichterinnen und Dichtern einstellen, welche mir bei meinen Streifzügen durch die Welt der Poesie begegnet sind, und die mir gefielen. So wird dies ein ganz persönliches Kompendium, von dem ich mir dennoch erhoffe, dass es auch anderen Menschen Freude macht. Also, viel Spaß beim Stöbern wünscht Dingefinder Jörg Krüger.
Laßt uns um das Feuer scharen, Das noch in den Herzen glimmt, Eh´ die Lippen uns erfrieren.
Scheit um Scheite werfen wir, gesparte Worte, In die matte Glut, daß sie entbrenne, Züngelnd, lodernd sich erkenne.
Brände fahren ungebändigt In die fahlen Widerspiele Unseres Namens. - Ziele Flammen auf vor unsern Blicken!
Unsere Hände schlagen Brücken, Unsere Leiber sind die Pfeiler!
Eingeäschert liegen Meiler Falscher Scham. Ihr in den Bezirken Eingeengten Atems, sehet unser Wirken!
Alle Grenzen sind vernichtet Wir allein nur, aufgerichtet Ragen aus dem Fall der Zeiten In die ersten Menschlichkeiten!
Charlotte Wohlmuth, eigentlicher Name Stefanie Oesterreicher. Lebte in Berlin. Veröffentlichte 1917/18 vier Gedichte in der Aktion. (geboren 1880, ab 1942 verschollen; aus Marienbad deportiert und in einem Konzentrationslager ermordet), aus der Zeitschrift Die Aktion Jg. 8, Nr. 5/6, 9.2.1918, Sp. 55 (zusammen mit einem Gedicht von Karl Otten unter der gemeinsamen Überschrift „Wir Utopisten“ I/II); auch in: Vollmer, Hartmut (Hg.): In roten Schuhen tanzt die Sonne sich zu Tod. Lyrik expressionistischer Dichterinnen. IGEL Verlag Literatur & Wissenschaft, Hamburg 2012,
Ich bin die Feuerlilie, Die Wilde der Familie. - Bin hoch und schlank, Bin flammenbraun Und gucke über Den Gartenzaun.
Ich bin die Feuerlilie, Die Wilde der Familie, - Ich will die Welt Da draußen sehn - Komm, nimm mich, Windchen, Und tu mir schön!
Ich bin die Feuerlilie, Die Wilde der Familie. - Meine Schwestern weiß Sind Klosterfraun, Die goldenen Blickes Zum Lichte schaun.
Ich bin die Feuerlilie, Die Wilde der Familie. - Mein Sein ist kurz, Ist Lust und Glut - Rasch will ich sterben, So find´ ich´s gut. - Ich bin die Feuerlilie!
Leonie Meyerhof-Hildeck (1858-1933), aus: Frankfurter Dichterbuch, Herausgegeben von Theo Schäfer, Carl Fr. Schulz Verlag, Frankfurt am Main, Weihnachten 1905
Leonie Meyerhof (Pseudonym Leo Hildeck); geboren am 2. März 1858 in Hildesheim; gestorben am 15. August 1933 in Frankfurt am Main, Schriftstellerin, Literaturkritikerin, Bühnenautorin und Frauenrechtlerin. In Theaterstücken, Romanen und Zeitungsartikeln reflektierte sie mit feinem Humor das hergebrachte Frauenbild und war eine seinerzeit vielgelesene Autorin.
Bekannt wurde ihr Theaterstück „Sie hat Talent“ (1888). Ihr populärstes Werk war der heute vergessene „Münchner Roman“ Töchter der Zeit (1903). Anonym erschien ihr von Anna Costenoble illustriertes „Frauenbrevier für männerfeindliche Stunden“ Penthesileia (1907), das innerhalb von zwei Jahren fünf Auflagen erlebte.
Das Bild „Feuerlilie, Feldblumenstrauß“ ist von Giovanni Giacometti (1866 - 1933)