Zwei Gärten
Schwer von Jasminduft, weht aus dunklen Gärten
Der Mittagswind:
Ich denke euer, die ihr Spielgefährten
Mir ward als Kind.
Der Tulpenbaum mit grünen Blumenbechern,
Drin Nektar quillt,
Der gute Birnbaum, der uns kleinen Zechern
Die Hand gefüllt.
Vorüber eilt man scheu dem feuchten Grunde,
Wo moosbefleckt,
Dämonenbös mit schwarzem Schlangenmunde
Der Brunnen schreckt.
Der Ton von Bienen, die den Honig mischen,
Summt überall,
Unendlich klagt des Nachts aus Duftgebüschen
Die Nachtigall.
Ein Garten war, da blühten Georginen
Im Purpurflor
Und Sonnenblumen mit des Cherubs Mienen
Am offenen Tor.
Mohnpuppen kamen auch, die schönberockten,
Im grünen Schal,
Wenn die Holunderblütenküchlein lockten
Zu duftgen Mahl.
Der weiße Elefant verbarg im Grase
Sein Rosenohr,
Das rote Bällchen sich als Seifenblase
Im Blau verlor.
Es weht mich an, Erinnerungen trunken,
Der Mittagswind.
An alte Gärten denk ich, die versunken
Auf immer sind.
Ricarda Huch, aus: Herbstfeuer, Gedichte, Insel-Verlag, 1948
Ricarda Huch, geboren am 18. Juli 1864 in Braunschweig, gestorben am 17. November 1947 in Schönberg/Taunus, Schriftstellerin, Historikerin, Philosophin
Das Bild „Bauerngarten mit Sonnenblumen“ ist von Gustav Klimt (1862 - 1918)
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