Dienstag, 30. Dezember 2025

Emmy Hennings: Zum neuen Jahr

 



Zum neuen Jahr

Es neigt sich das Jahr. Ein neues beginnt.
Wir wissen nichts von der Zeit.
Was ist ein Tag, der bald verrinnt?
Schon morgen versunken in Ewigkeit.

Wo sind die Jahre seit Adams Zeiten?
In welchem Schoße ausgespart?
Und jene Tage der Seligkeiten,
Wer hat den Augenblick bewahrt?

Wer hält dir diese letzte Stunde?
Wer gibt ihr Kostbarkeit und Sinn?
Sie kam geweht von Gottes Munde.
Zu Ihm drängt sie sich wieder hin.

Hörst du vom Turm die Glocken hallen?
Sie läuten ein das junge Jahr.
Mein Herz, lass alle Sorgen fallen.
Gott bleibt getreu und wunderbar. . .

Aus: Der Kranz, Gedichte von Emmy Hennings, machinengeschriebenes Manuskript aus dem Nachlass, undatiert, Schweizerische Nationalbibliothek

Emmy Hennings, geboren am 17. Januar 1885 in Flensburg; gestorben am 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano, Dichterin, unter anderem Mitbegründerin des legendären Cabaret Voltaire 1916 in Zürich.

Das Bild „Tanz der Stunden“ ist von Gaelano Previati (1852 - 1920)

Freitag, 26. Dezember 2025

Max Herrmann-Neiße: Breslauer Winterkälte

 


Breslauer Winterkälte

Nachts kriecht die Kälte aus dem Odereise
und färbt den Mann der Würstchenbude blau.
Um den Matthiasplatz in irrem Kreise
trabt wahngetrieben eine Zeitungsfrau.
Im Torweg Liebespaare stumm erstarrten
zu gotisch keuschen Statuen von Stein.
Den Grogerhitzten, die sich gröhlend narrten,
gefrieren ihre heisren Stimmen ein.
Das Droschkenpferd und hinter ihm der Wagen,
sie schleppen sich als Gelähmte fort.
Und ein Student mit hochgeschlagnem Kragen
verlor die Würde und das Ehrenwort
und sehnt sich nur noch nach der warmen Klause.
So leer wie jetzt war nie der Straßenschacht.
Verdächtge lauern heut an keinem Hause,
auch Tiere bargen sich vor dieser Nacht.
Ins Nichts des Himmels treibt bedrohlich düster
durchs Wolkeneis ein Totenschiff: der Dom.
Und fluchend mit den Schollen wirft als wüster,
heilloser Trunkenbold der Oderstrom.

Max Hermann-Neiße, aus: Um uns die Stadt, Eine Anthologie neuer Großstadtdichtung, Herausgeber Robert Seitz, Heinz Zucker, Sieben-Stäbe-Verlag, Berlin 1931

Max Herrmann-Neiße, geboren am 23. Mai 1886 in Neiße, Schlesien; gestorben am 8. April 1941 in London, Deutscher Dichter, von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben, in dem er 1941, wurzellos, starb.

Das Foto zeigt eine Postkarte aus Breslau in den 30er Jah
ren.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Emmy Hennings: Marienlied

 



Marienlied


Einmal löste ein Stern sich los.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.
Lag wie Licht in meinem Schoß.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.

War meine Hoffnung, war mein Glaube.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.
War meiner Sehnsucht schwebende Taube.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.

War meine Freude um Mitternacht.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.
Hat so hold mich angelacht.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.

Träumten wohl in weiter Ferne -
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.
Nur vom Frieden alle Sterne.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.

Und die Sterne freuten sich -
Schlafe, mein Kindlein, schlaf -
Über sich und über mich.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.

Ach, es träumt mein göttlich Kind. -
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.
Dass Menschen einander Brüder sind.
Schlafe, mein Kindlein, schlaf.

Emmy Ball-Hennings, maschinengeschriebenes Skript aus dem Nachlass, undatiert, Schweizerische Nationalbibliothek

Emmy Hennings, geboren am 17. Januar 1885 in Flensburg; gestorben am 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano, Dichterin, unter anderem Mitbegründerin des legendären Cabaret Voltaire 1916 in Zürich.

Das Bild ist von Carlo Maratta (1625 - 1713), Kunsthistorisches Museum, Wien

Dienstag, 23. Dezember 2025

Lessie Sachs: Heilige Nacht

 


Heilige Nacht

Eis und Kälte kommen wieder,
Und die matte Sonne malt
Blaue Schatten in den Schnee,
Der im zarten Glanz erstrahlt;
Früh senkt sich die Nacht hernieder.

Vieles müssen wir ertragen. -
In den Wäldern weht ein Wind ...
Still rührt uns ein Zauber an,
Von Maria mit dem Kind,
Wie ein Klang aus fernen Tagen.

Vieles haben wir verloren.
Sei nur still; ein Hauch, ein Traum,
Steigt empor und fängt Dein Herz.
Sanft erklingt ein Wort im Raum:
Diese Nacht ist auserkoren.

Vieles müssen wir entbehren.
In den Wäldern braust ein Sturm ...
Heilig ist die Nacht. - Sei still. -
Denn nun läuten hoch vom Turm
Alle Glocken, Gott zu Ehren.

Aus: Lessie Sachs Collection 2 Leo Baeck Institute New York

Lessie Sachs, geboren am 5. September 1897 in Breslau, gestorben Anfang 1942 in New York City/ USA, Dichterin und Malerin. Ihre Gedichte und Prosatexte erschienen in Zeitschriften wie dem Simplizissimus, Uhu und der Vossischen Zeitung, als auch in Anthologien. 1933 heiratete sie den 12 Jahre jüngeren Breslauer Pianisten Josef Wagner. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten konnte Josef Wagner seinen Beruf nicht mehr ausüben; Gedichte von Lessie Sachs durften nicht mehr erscheinen. 1937 verließen beide Deutschland und emigrierten in die USA.

Über die wenigen Jahre bis zu ihrem frühen Tod 1942 gibt es kaum biographische Hinweise. In den USA schrieb Lessie Sachs für die deutschsprachige jüdische Wochenzeitung Aufbau. Sie starb Anfang 1942 nach langjähriger Krankheit.

Das Leo Baeck Institut (LBI) ist eine unabhängige Forschungs- und Dokumentationseinrichtung für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums mit drei Teilinstituten in Jerusalem, London und New York City mit Zweigstelle in Berlin. Es wurde 1955 von Hannah Arendt, Martin Buber, Siegfried Moses, Gershom Sholem, Ernst Simon und Robert Weltsch gegründet und setzt sich zum Ziel, deutsch-jüdische Geschichte und Kultur wissenschaftlich zu erforschen und ihr Erbe zu bewahren.

Das Bild „Heilige Nacht“ ist von Paul Gaugin (1848 - 1903)

Montag, 22. Dezember 2025

Gertrud Kantorowicz, Weihnachten 1944

 



                                                                                    Weihnachten 1944


Narrentänze -
Doch wenn dunkle Tannenkränze
Gaben die die Not ersonnen
Lichtlein noch vom ewigen Bronnen
Großen Lichts Symbol und Spende
Und des Ofens Feuerbrände
Glühen weil die Laune günstig
So ersehnt - erfleht inbrünstig -
Wenn verwandtes ernstes Fühlen
Nach den Liebsten nach den Fernen
Fremde eint wie unter Sternen -
Wenn all dies uns trägt und presst
Wird die Weihnacht doch zum Fest.
Und ob auch die Tränen fließen
Lasst die Stunde uns genießen.

Gertrud Kantorowicz, aus: Verse aus Theresienstadt

Gertrud Kantorowicz wurde in Poznan (Posen) geboren. Sie war Kunsthistorikerin und Übersetzerin. Einst gehörte sie zum Kreis um den Dichter Stefan George. Sie wurde am 6. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 19./20.April 1945, also wenige Tage vor der Befreiung, starb. Ihre im Ghetto geschriebenen Gedichte erschienen 1948 unter dem Titel Verse aus Theresienstadt. Das Schlusswort zu diesem Heft lautete:

„Fetzen armseligen Papiers - der verrissene Briefbogen eines
Meraner Gasthofes, die Rückseite einer Ansichtskarte vom Hohen
Neuffen, eine unbenutzte Rückantwortkarte - bilden die Urschrift
vorliegender Gedichte, meist mit Bleistift gekritzelt, vielfach
durchstrichen und verbessert, oft verlöscht und schwer lesbar.
. . . Die hier gedruckten Verse, von einem unwiederherstellbaren
Gedicht abgesehen, sind alles von Gertrud Kantorowicz handschriftlich
Erhaltene der Zeit in Theresienstadt: 6. August 1942 - 19. April 1945“

Das Bild ist von Zdenka Eismannová (1897 - 1943), Aquarell, entstanden im Lager Theresienstadt, wo die Malerin auch umkam.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Charlotte Wohlmuth: Zwei Weihnachtsgedichte

 


Zwei Weihnachtsgedichte

Die Namenlosen

                                                    (Denn unsrer sind Legion)

Getrieben und festgelegt!
Erkannt und gerichtet!
Zu Bergen geschichtet
Und wieder hinweggefegt.
Gehetzt in das Gleiche,
In Reue zerrissen,
Schleift das Gewissen
Zum Himmelreiche!
Träumt dort die Namen
Aus Kinderspielen;
Schließt Euch mit Vielen
In lieblichen Rahmen!
Einmal wird alles wahr!!
Erde entschwindet,
Wenn neu entzündet
Sich Christus gebar!
In Euch wird er wohnen!!
(Ihr habt keine Namen).
Aus heiligem Samen
Entstehen Legionen!


Ekstase

Denn alle Wege münden nur in eine Stunde!!
Einmal muss sie sich offenbaren!
In jede gebenedeite Sekunde
Wächst sie aus blutenden Jahren
Brüder, zum letzten Bunde!
Brüder, aus Dornen erblühen dann Rosen,
(Mit Kränzen geschmückt kniet ihr an Ältären.)
Für wunde Knie werden Steine zu Moosen,
Und Leuchten entbricht aus allen Schwären
Bis zu den dunkelsten Hoffnungslosen.
Und Brüder, der am Holze geendigt,
Und sich im Geiste wieder begonnen,
In lautester Liebe gebändigt
Sieht er um heilige Bronnen
Die letzten Feinde verständigt.
Denn alle Wege münden nur in eine Stunde!
Einmal muss sie sich offenbaren!
In jede gebenedeite Sekunde
Wächst sie aus blutenden Jahren
Brüder, zum letzten Bunde!!

Charlotte Wohlmuth, aus: Die Aktion, 7. Jahrgang, 15. Dez. 1917, Illustration dazu aus der Zeitschrift: Lucas Cranach d. Ä. Heilige Familie mit Engeltanz.

Charlotte Wohlmuth, eigentlicher Name Stefanie Oesterreicher. Lebte in Berlin. Veröffentlichte 1917/18 vier Gedichte in der Aktion. (geboren 1880, ab 1942 verschollen; aus Marienbad deportiert und in einem Konzentrationslager ermordet)


Kurt Finkenstein: Vier Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke

 



Vier Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke:


1) Mein Spielzeug

Ich weiß, wenn ich heut wieder ein paar schwache Reime wage,
Du freust Dich ja darüber und denkst ganz gewiß nicht nur,
dass ich aus Eitelkeit ein Pfauenrad hier schlage,
um so zu prahlen in gespreizter Positur!
Nach manchen meiner unerträglich leeren Tage
weisen die Verse ja zurück als matte Spur,
die ich für Dich hier suchend so zusammentrage,
wie ich als Kind Kastanien spielend zog auf eine Schnur. -

So fügt´ mein Geist, der immer sehnend Deiner dachte,
in schlafverlassenen Nächten sorgsam Wort an Wort;
während in untertags stumpf mein Galeerenwerk vollbrachte,
setzte er das begonnene Reimspiel träumend fort - - -

Und denkt wie einst: Wenn er im Herbst Dir eine Freude machte,
schadest´s ja nicht, dass der Kastanienkranz im Herbst verdorrt!


2) Mein Talisman!

Einen Pfennig, den ich einmal auf der Gosse fand,
wo ein Zufall ihn mir vor die Füße rollte,
habe ich erst hinterher voll Dankbarkeit erkannt
als geprägt aus lauterstem Dukatengolde!
So viel Blender zeigten später sich als Trug und Tand,
als Trompetenblech, das Edelmetall scheinen sollte!
Du nur wahrtest, nachdem mein Vermögen treulos schwand,
immer Deinen vollen Wert und gütigen Bestand,
goldener Pfennig, den ein Zufall aus dem Staub mir holte!

Niemals habe ich wohl einen bessern Griff getan,
als an jenem Tag, da nach dem unscheinbaren
Fund ich mich gebückt und dabei einen Schutz gewann,
der zum Krösus noch mich macht in Elendsjahren.
Was für Phantasiegebilde, welch verlog´ner Wahn,
soviel pfiffig vorgetäuschte Flitterschätze waren!
Du nur bliebst, nachdem viel nebuloser Spuk zerrann,
als Glückspfand mir und segensstarker Talisman,
goldener Pfennig, in des Sturmes drohenden Gefahren.

Alle Stücke, die mein Spartopf außerdem enthält,
womit schlaue Schuldner listig mich bezahlten,
haben nach genauer Prüfung sich herausgestellt -
- wie sich auch in gleißnerischem Lackglanz prahlten -
als gemeines Katzengold und falschgemünztes Geld.
Darum, weil mir solche Talmigroschen zu viel galten,
lass Dich, bis mich reif des Knochenschnitters Sense fälllt,
einziges, letztes Kleinod meiner so verarmten Welt,
goldener Pfennig, fest in eifersüchtigen Händen halten!

Weil ich Dir durch einen Glückszufall begegnet,
liebste Käthe! war, trotz trotz allen feindlichen Gewalten,
doch mein Leben reich und tausendfach gesegnet!
Darum lass Dich, hellste meiner Traumgestalten,
ewig fest in eifersüchtigen Händen halten!


3) Mein sprechendes Bild


Ein kleines Bild hat mir viel neuen Mut geschenkt
und viele trübe Stunden mir erhellt!
So oft ich meinen Blick in dies Antlitz versenkt,
ward es lebendig und hat es beredt erzählt:

„Ich irrte tränenblind durch lange Finsternis;
unzählige Nächte hab ich mich für Dich zerquält!
Je mehr man es durch Dorn und Stachel blutig stieß,
je mehr har sich mein unbewehrtes Herz gestählt.
Als man mich damals nackt aus Deinen Armen riß,
war ich ein junges, sorglos hingegebenes Weib;
ich ahnte kaum des Lebens schale Bitternis,
Dein Glück zu hüten, war mir Pflicht und Zeitvertreib.
Wie tief war diese Stirn seitdem in Staub gebückt!
Wie unbarmherzig hat den armen, zarten Leib
das rauhe Sträflingshemd beleidigt und bedrückt!
Nicht Liebe! - Schmerz machte mich zum reifen Weib.
Es hat dies ernste Auge so viel Leid erblickt,
so viel Verkommenheit mit Abscheu angesehn -
wie viele Seufzer er in Zorn und Scham erstickt,
wird dieser herb geschlossene Mund nie ganz gestehn!
Doch höre, was es auch klar und ohne Worte spricht:
Was immer noch an bitterer Unbill mag geschehn,
ich bin Dir zugeschworen, ich verlass Dich nicht!
Mit Dir will ich einst bis zur letzten Schwelle gehn!
Ich trage wartend jeden schmerzlichen Verzicht
für Dich, den keiner meiner Sinne je vergaß!“ -

Das ist es, was ich in dem sprechenden Gesicht
des kleinen Bildes mit Erschütterung las,
so oft ich meinen Blick in seinen Blick versenkt,
so oft ich prüfend die geliebten Züge maß.
Von allem Glück das mir trotz Tod und Teufel ward geschenkt
wirst Du das Beste bleiben, das ich je besaß!


4) Letzte armselige Gabe!


So voll mein Herz, so leer sind meine ausgeraubten Hände,
man nahm mir alles bis auf ein grauschmutziges Narrenkleid.
So arm bin ich geworden: Meine Festtagsspende
ist nur mein leises Wort im paukenlauten Lärm der Zeit:
Du kamst zur weihnachtlichen Sonnenwende,
als Engel einst in meine Winterwelt geschneit
und zeigtest mir: Der Himmel ist nicht nur eine Legende,
solange Du mich liebst, ist er mir helle Wirklichkeit!

Am schönsten Tage wirst Du mir alljährlich neu geboren,
als Weihnachtsstern in einem feindlich dunklen Nebelland.
Solange Du mir leuchtest, habe ich ja nichts verloren,
als dass man mich aus Deinem milden Licht verbannt!
Nimm, Trösterin vor meines Fegefeuers Toren,
das alles hin, was ich noch zu verschenken fand:
Mein volles Herz, das ich als arme Gabe Dir erkoren,
weil ich so arm bin! Weil so leer ist die entblößte Hand!

Kurt Finkenstein, aus einem Brief an Käte Westhoff, Kassel-Wehlheiden, den 4. Advent 1938; in: Briefe aus der Haft 1935 – 1943, herausgegeben, kommentiert und eingeleitet von Dietfrid Krause-Vilmar, Mitarbeit: Susanne Schneider; 1. Auflage, Verlag Winfried Jenior, Kassel 2001

Kurt Finkenstein wurde als Sohn eines deutschen Offiziers und einer polnischen Jüdin am 27.3.1893 in Straßburg geboren. Seine pazifistische Gesinnung und literarische Interessen führten ihn zur Mitarbeit an der Zeitschrift. "Die Aktion" (Hg. Franz Pfemfert). 1935 wurde er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Käte Westhoff verhaftet. Mehr als 27 Monate war er in Kasseler Gefängnissen in Untersuchungshaft; im November 1937 wurde er zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" verurteilt. Käte Westhoff wurde nach ihrem Freispruch 1937 in das (Frauen-)KZ Moringen, von dort in das KZ Lichtenburg gebracht. In der Gefangenschaft erfuhr Finkenstein vom Tod seiner früheren Frau und seiner beiden Söhne, die als Soldaten in Russland ihr Leben ließen. Am letzten Tage der Verbüßung der Zuchthausstrafe wurde er von der Gestapo in Schutzhaft genommen und erneut nach Breitenau, später von dort nach Auschwitz deportiert, wo er am 29. Januar 1944 ums Leben kam.