Samstag, 29. April 2017

Georg Kulka: Die Welt verzichtet / Nichts Neues / Sichtbarkeit

Das Bild ist von der Fredelsloher Künstlerin Andrea Rausch




Die Welt verzichtet

So vergib dem All, wenn es ans Nichts
Sich wendend, Worte schleift um unbesiegte
(Schädel) Mauern durch den Staub der Verse,
Ausstrich, der es beklemmt, verschollnen Reim

Und Rätselhaftes würgte und erschrak
(Nicht kicherte): Konstruktion! - und
War's gestillt (nicht mehr), hart blieb,
Statt mitzuleiden, daß die Welt auf Rotation verzichtet!


Nichts Neues

Nimmer begegnen
Himmel kühlend
Dumpfen Leuchtkugeln.
Erde meidet,
Graun hinterläßt uns.
Spärlich verstreichen wir.
Phönix verstäubt.


Sichtbarkeit

Meine große, sehr grüne Wiese: Fremden ist der Eintritt nicht verboten, Wohlwollen sprießt, das vor der Wiederholung des Ixionrades sich nicht scheut, Theophanieen vereinigen mit ihrer starken Vereinigung sich, ihre ersten Welten schaffend und segnend. Du siehst den Wind dahinstreichen. Aber du siehst seine Gestalt nicht. Wie der Mond sich schert im Laufe des Jahrs: siehst du nicht. Roman fürchtete zwar auch, die Gedanken könnten verfaulen: doch als er erwachte, war es noch nicht zu spät.




Georg Kulka (* 5. Juni 1897 als Georg Christoph Kulka in Weidling/Niederösterreich; † 29. April 1929 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller.

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