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Sonntag, 26. März 2023

Adam Kuckhoff: Blüten im Zimmer

 



Blüten im Zimmer

Kleiner Frühling im Zimmer,
Blumen und Kätzchen und Blüten;
all der kommenden Güten
draus ein herrlicher Schimmer –

Steht sie darüber gebeugt,
ist es, als wenn es geschähe,
dass ihre wärmende Nähe
schneller das Blühen verzweigt.

Adam Kuckhoff, geboren am 30. August 1887 in Aachen; Schriftsteller, Lektor (Eugen Diederich Verlag), Herausgeber der Zeitschrift „Die Tat“, Wiederstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Hingerichtet am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee.

Das Bild ist von O. Cettemann um 1900

Mittwoch, 5. August 2015

Adam Kuckhoff: Zwiegespräch




Am 5. August 1943 wurde der Schriftsteller Adam Kuckhoff in Berlin Plötzensee hingerichtet.

Zwiegespräch

Du, wach auf! Ich will dich etwas fragen.
„Ich bin wach, mein anderes Ich, nur sprich.“
Kannst du dich, daß es so ist, beklagen?
„Mich beklagen? Oder meinst du dich?“

Mich denn: ja, den Bessern von uns beiden.
Mich, der alles schuf, was du vollbracht.
„Lieber Freund, du bist nicht sehr bescheiden,
Was hast du getan? Geformt? Gedacht?“

Ja, geformt: in bleibenden Gestalten!
Ja, gedacht: das dauernde Gesetz.
War was andere von mir gehalten,
was du selbst, nur blinkendes Geschwätz?

„Nein, du Lieber, du hast Recht zur Klage.
Ewig schade, was mit dir vergeht.
Was als Antwort auf so manche Frage
noch in deinen dunklen Blicken steht.

Aber— “ Aber? Zürne nicht wieder.
Sieh, ich tat nicht halb soviel wie du.
Dennoch beugt’s die Stirne mir nicht nieder,
dennoch presst es nicht das Herz mir zu.

Fühlst du unter uns dich auserlesen,
sag mir doch: wo kam es mit dir hin,
wäre ich nicht grade der gewesen,
der ich – und für dich! – geworden bin.

Sind wir nicht untrennbar ineinander,
meins so Deines wie das Deine mein?
Im Gedröhn der Zeitenwende kann der
Dichter nur ein Hauch von ihrem Sturme sein!

August 1943

Sonntag, 7. Dezember 2014

Adam Kuckhoff: Greta



Greta

Andern hab ich manchen Vers geschrieben,
Dir nur hier und da ein kleines Wort.
Zeugt das nicht von kleinrer Kraft im Lieben?
Geh ich nicht als Schuldner vor Dir fort?

O Geliebte, ungemessen
war die Liebe, die uns zwei verband.
Über ihr hab ich das Wort vergessen,
weil ein jeder Tag uns in ihr fand.

Denkst Du an das Blut in Deinen Lungen?
Sprichst Du von der Luft, die Dich umgibt?
Nein, ich habe Dich nicht besungen,
ich hab Dich nur geliebt.

Müsste ich Dir nicht noch vieles sagen?
Jede Stunde rinnt vom Letzten fort!
Und doch finde ich in diesen Tagen
kaum ein Wort.

Dir verschuldet in so vielen Dingen,
seh ich ruhig doch das Ende nahn.
Nichts blieb, so wie wir zusammengingen,
Von dem Größten bis zu dem Geringen
ungesagt und ungetan.

Dieses Gedicht schrieb der Schriftsteller Adam Kuckhoff im Februar 1943 für seine Frau Greta, während er, verhaftet von der Gestapo, in Berlin Plötzensee einsaß. Am 5. August 1943 wurde er hingerichtet.


Aus: Adam Kuckhoff zum Gedenken. Novellen, Gedichte, Briefe. Herausgegeben und eingeleitet von Greta Kuckhoff, Berlin, Aufbau Verlag 1946