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Samstag, 25. November 2023

Henry von Heiseler: Drängt schon erneuertes Leben. . .

 



Drängt schon erneuertes Leben
Aus dem erfrornen Reise?
Siehst du die Schollen sich heben?
Regt es sich unter dem Eise?

Morgendlich wärmendes Wehen,
Wiegen und Heben und Senken …
Was will im Innern geschehen,
Wo sich die Wurzeln verschränken?

All du verlornes Empfinden,
Seufzen und Sehnen und Lachen,
Willst du mich wieder umwinden?
Willst du mir wieder erwachen?

Schatten verwundener Schmerzen
Sind nur im Traum noch lebendig
Und in dem klopfenden Herzen
Ruft es und singt es beständig.

Henry von Heiseler, geboren am 23. Dezember 1875 in St. Petersburg; gestorben am 25. November 1928 im Haus Vorderleiten in Brannenburg, Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Er gehörte zum George-Kreis. Unter anderem übersetzte er die Werke Puschkins.

Das Bild „Winter 2“ ist von Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875 - 1911)

Sonntag, 23. Dezember 2018

Alexander Puschkin: Tatjana, Dorothea. . .



Tatjana, Dorothea, zwischen euch
Setzt blinder Hader die gestreiften Pfähle
Und pflanzt den Zaun von dürrem Dorngesträuch
Als Wärter um die grenzenlose Seele.

Das irre Spiel unheiliger Geschicke
Trennt Herz von Herzen, scheidet Blut von Blut
Und lenkt in dumpfer Trübung eure Blicke
Vom rechten Pfade – wisst ihr, was ihr tut?

Ihr stürzt in Staub die Pfeiler eures Baus,
Ihr schlagt mit scharfem Stahl nach euren Myrten
Und werft den Brand in eurer Kinder Haus...
Ich weiß, ich weiß die Umkehr euch Verirrten!

Und übers Land, weit hingedehnt und hüglig,
Das schon den Keim der jungen Ernten wiegt,
Läuft meine Liebe hin, die silberflüglig
Und lachend alle Schranken überfliegt.

Alexander Puschkin, Übersetzung Henry von Heiseler

„Wenn man mehr Getreide und weniger Phrasen dreschen würde, gäbe es auf der Welt bald kaum noch Hungrige.“

Henry von Heiseler, geboren am 23. 12.1875 in St. Petersburg, gestorben am 25. 11. 1928 in Brannenburg (Inntal), war ein deutsch-russischer Lyriker, Erzähler und Essayist, außerdem Übersetzer von Puschkin, Leskow und Yeats

Bild: Paul Klee, Der Winter