
Mit weichen Schleiern sollst du es umkleiden. . .
Mit weichen Schleiern sollst du es umkleiden,
Was zwischen uns in jenen Tagen war,
So glüh es wie ein Licht auf nebelschweren Heiden,
Ein tiefverhülltes Bild am heiligsten Altar. ...
O, sanft und silbern möge es uns strahlen,
Wie Vollmondglanz durch leichte Wolkenschalen,
In zarter Reife soll versteckt es beben
Wie Pollen, der vom Blütenkelch umgeben. ...
So tief verschlossen, vornehm soll es ruhen,
Wie zarte Spitzen in geschnitzten Truhen,
Auf daß draus süße Düfte mögen steigen,
So oft wir unser Haupt darüber neigen.
Aus: Die Oktave, Gedichte von Eleonore Kalkowska, Egon Fleischel & Co. Berlin 1912
Eleonore Kalkowska, geboren am 22. Juni 1883 in Warschau, war eine polnisch-deutsche Schriftstellerin und Schauspielerin.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Eleonore Kalkowska 1933 zweimal verhaftet, jedoch nach Intervention des polnischen Gesandten jeweils kurz darauf wieder freigelassen. Daraufhin verließ sie Deutschland und lebte zunächst in Paris, danach in London. Sie starb am 21. Juli 1937 in Bern.
Die Mutter
Eine schweigt, seitdem sie die Nachricht empfing. . .
Zeit und Raum konnt´ die Stunde nicht halten,
Irgendwo, wie ein Blitz, im Leeren sie hing
Und hat der Tage bleiernen Ring
Gespalten;
Zerstört von den Flammen,
Kommt gestern und morgen nimmer zusammen.
Und sie schweigt. Denn sie kann von den Dingen nicht reden,
Wie früher. Und zeitlos die Zeit verrinnt.
Das Gestern ein Haus mit geschlossenen Läden,
Das Morgen - die Leere. Und doch, leise, spinnt
Sie das Graugarn des Grams. Und sind neue Fäden
Zu ihrem Kind.
Eleonore Kalkowska, aus: Neues Frauenleben, XVIII. Jg., Juli 1916, Nr. 7
Eleonore Kalkowska, geboren am 22. Juni 1883 in Warschau, war eine polnisch-deutsche Schriftstellerin und Schauspielerin.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Eleonore Kalkowska 1933 zweimal verhaftet, jedoch nach Intervention des polnischen Gesandten jeweils kurz darauf wieder freigelassen. Daraufhin verließ sie Deutschland und lebte zunächst in Paris, danach in London. Sie starb am 21. Juli 1937 in Bern.
Das Bild ist von Alexandre Séon (1855 - 1917)

Vor dem Einschlafen
Vergessenheit ... Traumstille ... leise, leise
Ein dunkler Vogel schwebt zu mir hernieder;
Er breitet aus sein köstlich weich Gefieder
Und zieht um mich die lautlos stillen Kreise,
Bis ich die letzte Unrast von mir weise
Und senke meine müdgesehnen Lider.
Nun halt ich lächelnd meine Seele wieder,
Die heimgekehrt von bunter Tagesreise.
Und wie sie ruht in tiefem Selbstgenießen,
Beginnt ein leichtes Traumbild fern zu gaukeln,
Dem schimmernd lichte Strahlen sanft entfließen.
Und fern zwei weiße Tauben zwitschernd schaukeln
Auf Kirschbaumzweigen, die in Blüte stehen ...
Ein Schweben, Leuchten, Gleiten und Vergehen.
Meine Seele hat kaum gelitten. . .
Meine Seele hat kaum gelitten
Unter den rohen Tritten;
Sie hat sich in sich selbst zurückgezogen,
Und so war es ein saitenloser Bogen,
Um den herum sie sich stritten.
Des Schmerzes Tage. . .
Des Schmerzes Tage sind nun ganz entschwunden,
Wie eine Sonnenkugel, die ins Meer
Ihr müdes Haupt getaucht und nur zurückgelassen
Den matten Schimmer, jenen zärtlich blassen,
Der auf den Wellen spielt und jenem Lächeln gleicht,
Das um die Lippen Krankgewesener schleicht.
Des Schmerzes Tage sind nun ganz entschwunden. ...
Aus der Sammlung Selbstgespräche
Eleonore Kalkowska, geboren am 22. Juni 1883 in Warschau, war eine polnisch-deutsche Schriftstellerin und Schauspielerin.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Eleonore Kalkowska 1933 zweimal verhaftet, jedoch nach Intervention des polnischen Gesandten jeweils kurz darauf wieder freigelassen. Daraufhin verließ sie Deutschland und lebte zunächst in Paris, danach in London. Sie starb am 21. Juli 1937 in Bern.