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Dienstag, 14. November 2023

John Höxter: Hier und dort und allenthalben. . . / Ich will das Wie nicht wissen. . . / Hic et ubique / Hexentanzplatz

 



Hier und dort und allenthalben:
Hunger, Pleite, Hass und Pest.
Pillen, Pulver, Tränke, Salben
Geben uns den letzten Rest.
Miete, Heizung, alles teuer,
Fraß und Kleidung sowieso –
Meine Augen sprüchen Feuer
Und die Welt ist trocknes Stroh!


* * *

Ich will das Wie nicht wissen noch das Was;
Den Nießnutz nur von Ja und Nein (für Nass!),
Den echten Schein der Summe des Seins,
Der Dreiheit, der Zweiheit und der Eins.
(Die Drei dehnt des Denkens dunkle Dimension,
Zwei spiegelspaltet, Zwist und Zwang zum Lohn,
Die einsame Eins kann nichts weiter tun
Als im Überallhier immernun zu ruhn.)


Hic et ubique

Wenn du die Hand hebst,
Fällt ein Schatten über die Milchstraße.
Wenn du dein Haupt senkst,
Schwillt der Gesang der Sterne an;
Die Achse der Welt ächzt in deinem Hirn,
In deinem Herzen schwingt das Kreisen der Sphären.
Äthermeere ebben und fluten
Mit den Gezeiten deines Blutes,
Durch die Harmonie der Himmel
Pochen deines Pulses Rhythmen den Klang,
Getönt im Regenbogenfarbenreigen
Deiner Freuden und deiner Leiden. Und schau:

Zur Stunde, da du stirbst, löst sich ein Stern
In einer Welt Lichtjahrtausende fern.


Hexentanzplatz

Zwar ist mein Lebensbahnbillet
Noch nicht ganz abgefahren,
Doch fühle ich mich stark komplett
Und kann den Rest mir sparen.
Ich bin gewiss nicht recht im Zug
Zum Tanzfest auf dem Brocken;
Vor „Elend“ hab’ ich schon genug,
Nichts kann mich weiter locken.
Ein schneller Griff – nicht ohne Not,
Ihr wisst es – zieh’ ich Leine;
Die Zunge reckt sich, ich bin tot
Und „baumle mit die Beine!“

John Höxter, am 2. Januar 1884 in Hannover geboren, Dichter und Maler, und der genialste Schnorrer der Berliner Bohéme nahm sich am 15. November 1938 in Berlin das Leben.

"Ich bin noch ein ungeübter Selbstmörder" schrieb er in seinem Abschiedsbrief an Leo von König, aber auch: "Möge das edle, naive deutsche Volk eines Tages jene furchtbare Schande von sich abwaschen, die es auf sich lud als es all zu willig sich der Herrschaft der unheiligen Dreieinigkeit des Wahnteufels, des Hetzteufels und des Gierteufels unterwarf."

Ihm ist das Heft Nr. 8 des Versensporn - Heft für lyrische Reize gewidmet. Es enthält insgesamt 35 Texte.

Donnerstag, 15. November 2018

John Höxter: Pro Domo



Das "Café des Westens" in Berlin, auch "Café Größenwahn" genannt, eine der Wirkungsstätten von John Höxter


Pro Domo

Wenn ich wollte, was ich könnte,
Könnt´ ich eher, was ich wollte;
Doch wie will ich wollen können,
Und wie kann ich können wollen,
Ohne Muß zum Können wollen,
Da man wollen kann, wer muß!
Müßt´ ich wirklich, was ich müssen wollte,
Könnt´ ich sicher, was ich können muß.
Seht! Ein Mann, der manches können könnte,
Wenn der gute Mann nur wollen wollte.
Er verstummt und macht vorzeitig Schluß,
Weil (nach Nathan) kein Mensch müssen muß!

John Höxter, am 2. Januar 1884 in Hannover geboren, Dichter und Maler, und der genialste Schnorrer der Berliner Bohéme nahm sich am 15. November 1938 in Berlin das Leben.

Friedrich Hollaender textete über ihn dieses Couplet:

Ich pendle langsam zwischen allen Tischen.
Ab zwanzig Uhr beherrsch ich dieses Reich.
Ich will mir einen edlen Gönner fischen.
Vor mir sind Rassen und Parteien gleich.
Irrenärzte, Komödianten,
Junge Boxer, alte Tanten,
Jeder kommt mal an die Reihe
Jeder kriegt von mir die Weihe:
Könnse mir fünfzig Pfennige borgen?
Nur bis morgen?
Ehrenwort!

"Ich bin noch ein ungeübter Selbstmörder" schrieb er in seinem Abschiedsbrief an Leo von König, aber auch: "Möge das edle, naive deutsche Volk eines Tages jene furchtbare Schande von sich abwaschen, die es auf sich lud als es all zu willig sich der Herrschaft der unheiligen Dreieinigkeit des Wahnteufels, des Hetzteufels und des Gierteufels unterwarf."