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Sonntag, 6. Februar 2022

Anna Joachimsthal-Schwabe: Verzweiflung


 

Anna Joachimsthal-Schwabe, aus: An den Wind geschrieben, Lyrik der Freiheit 1933 – 1945, gesammelt, ausgewählt und eingeleitet von Manfred Schlösser, Humanistische Schriftenreihe Agora, Darmstadt 1961 

Am 2. Februar 1937 starb die in Varel (Friesland) geborene Dichtern Anna Joachimsthal-Schwabe in Berlin.

„Doch meist beschreibt sie in ihrer Lyrik ihre Beziehung zum Tod und dessen mögliche Überwindung durch das Vertrauen zu Gott. Hintergrund dürfte vor allem 1931 die Diagnose einer schweren Krankheit gewesen sein, an der sie auch 1937 verstorben sein muss. In ihren Gedichten fällt auf, dass sie in diesem Zusammenhang jüdische Wörter wie etwa Gan Eden (גן עדן) oder Ge-Hinnom (גֵי־הִנֹם) nicht verwendet, dafür aber die Begriffe „Sein“, „Nah-Sein“ oder „Menschsein“. Begriffe, die in jenen Jahren en vogue waren und deutlich sowohl von dem deutschen Existenzialismus wie auch der theologischen Sprache Martin Bubers geprägt waren. Ihre Auseinandersetzung mit dem Tod ist vom Judentum geprägt, denn es ist offensichtlich, dass ihre Spiritualität einen Seelenzustand beschreibt, der nicht einfach schlicht verortet ist, sondern tiefste Ruhe im ewigen, kosmischen All erhofft, um schließlich die Nähe zu Gott finden zu dürfen.“

Norbert Ahlers in: Gedichte im Schatten der Krankheit  -  Vareler Randnotizen vom 22. 8. 2016

Das Bild ist von Anna Ancher (1859  -  1935)

 

Mittwoch, 1. Februar 2017

Anna Joachimsthal-Schwabe: Frauenleben / Ewige Rückkehr



Frauenleben

Ach wir so Vergänglichen!
Was bleibt von uns?
Nicht Name noch Werk,
Noch ein Hauch entliehener Schönheit,
Immer nur sind wir - Diesseits,
Sind Gefäß, das ein Tod zerbricht,
Und die Winde der Zeit
Jagen die Scherben ins Nichts.
Wer - nach dem Tod -
Hält unser Antlitz noch fest?
Ach eine Weile schmerzt
Ein leerer Stuhl und ein Bett
Und ein Heimweh bedrängt
Doch - - eine Weile nur.
Entgleitende Hände ziehen
Gestaltloses Werk; täglich mühseliges Tun
Mit sich hinab.
Was war - zerrann
Im Atem von Tag und Nacht.
Unsterblichkeit
Schweigt unser Gewesensein tot,
Ewigkeit
nimmt uns namenlos hin.


Ewige Rückkehr

Heimweh ist in uns
Zurückzukehren ins Ungeborene
Um uns die selige Erde
Aber wir hängen schwer
Von den Tränen des Menschseins.
So groß wie die Erde
Ist unsere Sehnsucht:
Heimzukehren ins Ungeborene
Um wiederzukehren einmal
Ohne Namen und Menschengesicht
Gestaltlose Wandelgestalt
Im unendlichen Raum.


Am 2. Februar 1937 starb die 1892 in Varel (Friesland) geborene Dichtern Anna Joachimsthal-Schwabe in Berlin. Sie lebte seit ihrer Heirat mit Hans Joachimsthal in Dresden.

Bis 1932 prägte Anna Joachimsthal-Schwabe die Dresdner Literaturlandschaft mit, u.a. veranstaltete sie Literaturabende sowie lyrische und musikalische Kunstabende (auch in ihrer Wohnung). An diesen Abenden rezitierte sie eigene Gedichte oder gab anderen KünstlerInnen (u. a. Hans Carossa, Gertrud von Le Fort, Walter Georg Hartmann, Kurt Heynicke, Paula Ludwig, Friedrich Schnarck) die Möglichkeit, ihre Werke öffentlich vorzustellen. Nach 1933 musste sie sich als Dichterin jüdischer Herkunft des öfteren bei christlichen Freunden vor Verhaftungen verstecken.

Das Bild ist von der Bremer Künstlerin Sylvia Händel. Mit freundlicher Genehmigung.
Weitere Arbeiten der Künstlerin sind hier zu finden:
http://www.ichbinwirklich.net/de/arbeiten.html