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Montag, 14. August 2023

Sophie Hochstetter: An Toni Schwabe

 



An Toni Schwabe

Nie ging ein Dichter unbeirrter seine Straße –
Nie war Erlesnes stiller, unvergeßlicher gegeben.
Wie ein sehr kostbares Gefäß in edlem Maße
Ist deine Kunst, Symbolum deinem Leben.

Und in der strengen Formen schönste Vase
Füllst du des Weinlaubs rauschdurchglühte Reben.
In einen Kelch vom Venetianerglase
Stellst du „Camille de Rohans“ rosenschweres Beben.

Die Sünde machst du rein – wie aus Gewitterstöhnen
Uns klingen mag das Jubelwort: Genesen!
Einsamer Seelen Schmerz lässt du ertönen
Zu einem Schwanenlied sehr seltner Wesen –
Und deine Erdenliebe hat von allem Schönen
Das Vornehmste sich nur zum Eigentum erlesen.

Sophie Hochstetter, aus: Vielleicht auch Träumen, Verse, München und Leipzig 1906

Sophie Hoechstetter, geboren am 15. August 1873 in Pappenheim, gestorben am 4. April 1943 in der Moosschwaige bei Dachau war Schriftstellerin, Dichterin und Malerin.

Toni Schwabe, Schriftstellerin, Verlegerin, Erzählerin, Lyrikerin, geboren am 31. März 1877 in Bad Blankenburg, gestorben am 17. Oktober 1951 ebendort.

Die beiden Schriftstellerinnen führten von 1902 bis 1905 eine Lebensgemeinschaft. Die Fotos zeigen links Toni Schwabe um 1906, rechts Sophie Hoechstetter um 1902.

Montag, 3. April 2023

Sophie Hoechstetter: Liebesnacht, Toni Schwabe: Nie traf ich einen. . . / Hymne

 



Liebesnacht

Uns leuchtete noch keine Nacht so tief
Wie dieses Sommers schwere Liebesnacht,
Da dir dein Herz erwacht, die dir mein Herz gebracht
Die uns zum Leben rief –

Spürst du – fern sinkt das letzte Schweigen,
Fern klingt der Reigen
Verdämmernder Lieder der Einsamkeiten
Gieb mir die Hand,
Erobererland
Liegt viel noch in uns beiden.

Ich fühle, wie Mund und Hände mir begnadet sind
Ich fühle, wie dein Blut zum Herzen rinnt –
Fühlst du die Nacht? Noch keine war so still –
– So still, als seien alle Tränen ausgeweint
So still, als trüge sie Tod und Unsterblichkeit vereint –
Wie diese, die uns zu den Göttern führen will.

Aus: Vielleicht auch träumen, Verse von Sophie Hoechstetter, Bei Georg Müller, München und Leipzig, 1906


Nie traf ich einen. . .

Nie traf ich einen, der stärker als ich
Mir der Liebe Zügel entrissen hat.
Wen ich schwächer fühlte, dem weigert ich mich,
So daß mich nie einer besessen hat.

Ich küßte nur solche, die Liebe sehnten
Und die, wie ich, den Stärkeren wollten
Und machte, daß sie sich an mich lehnten
Und nicht mehr Liebe entbehren sollten.

Mich – mich allein konnte keiner erlösen –
Und ob ich auch alles von Liebe wüßte:
Ueber mir ist noch keiner gewesen,
Keiner, dem ich mich ergeben müßte.

Aus: Toni Schwabe: Komm, kühle Nacht! Verse. München: Georg Müller, 1908


Hymne

Nach allem Grenzenlosen,
nach Wasser – Luft – den unendlichen Himmeln
nenn ich dich, Geliebte.
Mit dir zusammen stürzte ich
durch die Jahrtausende,
mit dir umschlang ich
zerbrechende Welten,
in dir begriff ich
aller Maße Übermaß –
und erfasste jäh
den Sinn der Liebe:
Ewigkeit.

Toni Schwabe

Sophie Hoechstetter, geboren am 15. August 1873 in Pappenheim, gestorben am 4. April 1943 in der Moosschwaige bei Dachau war Schriftstellerin, Dichterin und Malerin.

Toni Schwabe, Schriftstellerin, Verlegerin, Erzählerin, Lyrikerin, geboren am 31. März 1877 in Bad Blankenburg, gestorben am 17. Oktober 1951 ebendort.

Die beiden Schriftstellerinnen führten von 1902 bis 1905 eine Lebensgemeinschaft. Die Fotos zeigen links Toni Schwabe um 1906, rechts Sophie Hoechstetter um 1902.

Donnerstag, 4. April 2019

Sophie Hoechstetter, aus: Lieder an Liane



Lieder an Liane

I.

Ich wollte einmal dich in meiner Heimat grüßen,
Ich wollte einmal, daß zu deinen Füßen
Die Wege ziehen, die mir lang vertraut.
Ich wollte, daß mein stilles Land dir brächte
Sein tiefes Sehnen, seine hellen Nächte
Und du es sähest, wie ich es geschaut.

Ich wollte einmal deine Lippen küssen —
Ich wollte einmal deine lieben süßen
Geliebten Augen auf mir ruhen sehn —
Ich wollte einmal — einmal nur dir sagen
Wie lang dein Bild im Herzen ich getragen
Und wie es ruht dort bis zum Untergehn.

Dann aber? Oh ich weiß nicht, was noch wäre
Still ruht die Sehnsucht — ankersstill im Meere
Fragst du den Beter, was er noch begehrt
Wenn ihm sein Gott die Seligkeit gewährt?
Fragst du den Schiffer, der den Hafen sieht,
Ob noch ein Wunsch durch seine Seele zieht?

Ich wollte einmal deine Lippen küssen,
Ich wollte dich in meinem Hause grüßen —
Einmal mit dir allein sein — fern vom Leben.
Ich wollte einmal dir in erstem Schweigen
Die Heimat und mich selbst ganz dir zu eigen
Bedingungslos in deine Hände geben.

IV.

In unserm Garten liegt ein Feuerschein,
Des letzten Herbstes flammendes Verglühn.
Die stille, weiche Luft ist klar und rein,
Wir sehen rote Wolken südwärts ziehn.

Im Winde tausend goldne Blätter schwanken
Ein letzter Gruß der Liebe, die vergeht.
Die späte Rose blüht; doch müde sanken
Schon manche Kelche auf das Gartenbeet.

Die Mauer ist umstrickt von Scharlachwein,
Mit Liebesarmen nimmt er sie gefangen,
Und selbst der alte, harte, kühle Stein
Erstrahlt in rotem, brennendem Verlangen.

Ein Glühen rings, ein sonnenrotes Sterben.
Ein Sterben, seliger und schöner noch
Als blassen Frühlingslichtes stilles Werben
Das einst auch über dies Gelände zog.

Du lächelst schmerzlich. Weil die Liebe flieht
Von dieser armen, stillen Gartenerde?
Du lächelst schmerzlich, weil der Herbst uns glüht
Und weil er kommt mit strahlender Geberde?

Sieh doch: was hier vergeht, uns bleibt es immer,
Uns grüßt der Herbst, uns grüßt er wunderzart,
Weil unserer Herzen roter Liebesschimmer
Für eine traumeskurze Zeit ihm ward.

Wir können froh und lächelnd von ihm scheiden,
Ein sterblich Abbild ist, was hier vergeht
Von dem Unsterblichen, dem, was uns beiden
Als unvergänglich vor der Seele steht.

Bis auf der alten, lieberoten Erde
Das letzte, leise Wort uns klingt,
Bis zu uns als geleitender Gefährte,
Der letzte Erdenton noch dringt.

Bis wir den letzten Blick noch tauschen,
Wenn einst der Tag uns letzten Abschied bringt —
Und wenn im fernen Windesrauschen
Das Herz im All versinkt.

Aus: Vielleicht auch Träumen, Verse von Sophie Hoechstetter

München und Leipzig Bei Georg Müller 1906

Sophie Hoechstetter, geboren am 15. August 1873 in Pappenheim, gestorben am 4. April 1943 in der Moosschwaige bei Dachau war Schriftstellerin, Dichterin und Malerin.

„Liebe, Arbeit und soziales Engagement durch Schreiben sind die zentralen Themen der Werke Sophie Höchstetters. Liebe, die durch Schranken des Standes (Die Verstoßenen), der Religionszugehörigkeit (Max Mühlen) und durch Sitten (Das Krongut) begrenzt wird - oder auch erfüllte Liebe, die bis zur Selbstaufgabe führt. . . . Dargestellt wird, wie die Ehe als Institution die Liebe der einzelnen überformt und dem Mann das Recht des Herrschers gibt. In Sehnsucht, Schönheit, Dämmerung (1898/1909)“

Madeleine Marti (FemBio. Frauen.Biographieforschung)

Das Foto ist von einem unbekannte Fotografen aus: Timon Schroeter: Für unser Heim, Bunte Spenden Deutscher Dichter und Denker der Gegenwart,

J. J. Weber, Leipzig 1902,