Posts mit dem Label Bruno Ertler werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bruno Ertler werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 10. Dezember 2023

Bruno Ertler: Ewigkeiten

 



Ewigkeiten

So beginnen Ewigkeiten – –

Wenn von herbstdurchbebten Bäumen
still die Blätter nieder gleiten,
wenn in blauen Sehnsuchtsweiten
eines Vogels Lied verweht – –
Wenn ich tief in deinen Augen
deine reine Seele grüße
und wir dann im Sonnensinken
wortlos betend heimwärts schreiten – –

So beginnen Ewigkeiten. –


Aus: Eva Lilith - Gedichte von Bruno Ertler, Wiener Literarische Anstalt Wien Berlin 1919

Bruno Ertler, Geboren am 29.01.1889 in Pernitz (Niederösterreich); gestorben am 10.12.1927 in Graz. Er studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Graz. Dort arbeitete er auch als Journalist, Redakteur und Schriftsteller. Ertler litt an einem unheilbaren Leberleiden, dem er schließlich erlag.

Donnerstag, 27. Januar 2022

Bruno Ertler: Frühe Tage

 


 

Bruno Ertler (1898 - 1927) Geboren am 29.01.1889 in Pernitz (Niederösterreich); gestorben am 10.12.1927 in Graz. Er studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Graz. Dort arbeitete er auch als Journalist, Redakteur und Schriftsteller. Ertler litt an einem unheilbaren Leberleiden, dem er schließlich erlag. aus: Eva Lilith - Gedichte von Bruno Ertler; Wiener Literarische Anstalt Wien Berlin 1919

Das Bild ist von Hilma af Klint (1862 - 1944)

Samstag, 10. Dezember 2016

Bruno Ertler - Aus: Eva Lilith




Mit jedem Schritt vergingen
wir tiefer im wogenden Feld,
im Leben von tausend Dingen,
die sich in unserem Schweigen
im stummen Abendreigen
verliebter Falter fingen –
mit jedem Schritte gingen
wir weiter aus der Welt.

Und haben sie verloren;
auf Traumwegen Hand in Hand
nicht Lieb' und Treue geschworen,
nicht morgen noch gestern berufen – –
Die Schritte bauten uns Stufen,
entführten uns allen Toren –
Wir gingen der Welt verloren
und fanden eigenes Land. –


Vorübergehen

Alles ist ein Vorübergehen –
Grüßen – tastendes Händereichen –
und wenn wir uns in die Augen sehen,
so ist es ein Fragen, ein Abwehr-Flehen,
halbes Begreifen – halbes Entweichen.

Doch ist uns das bange Wunder geschehen,
daß wir tiefer Gemeinschaft heilige Zeichen
erschauernd plötzlich an uns verstehen –
dann mögen wir wohl wie im Traume gehen
und nächtlich blühenden Bäumen gleichen.

Denn über Wort und Gebärde weit
ist solcher Stunde Versunkenheit –
wie Lieder, die aus der Ferne wehen
und fernhin gehen nach goldenen Reichen. –


Gesegnete Stunde

Wenn in die Wipfel vor dem Haus
die ersten grauen Schleier sinken
und über blauer Berge Rand
die ersten Silbersterne blinken,

dann wünschte ich, du wärst bei mir:
und über deine lieben Haare
streift' ich dir leise hin und wär'
dir seltsam nah'. Und all das Wahre,
das Gute, was ich für dich hab',
ließ' des Begehrens Brennen schwinden
und meine Liebe würde still
den Weg zu deinem Herzen finden. –

Alle Gedichte aus: Eva Lilith - Gedichte von Bruno Ertler, Wiener Literarische Anstalt Wien Berlin 1919

Bruno Ertler, Geboren am 29.01.1889 in Pernitz (Niederösterreich); gestorben am 10.12.1927 in Graz. Er studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Graz. Dort arbeitete er auch als Journalist, Redakteur und Schriftsteller. Ertler litt an einem unheilbaren Leberleiden, dem er schließlich erlag.

Das Bild ist eine Farbstiftzeichnung der 2017 verstorbenen Fredelsloher Künstlerin Andrea Rausch, mit freundlicher Genehmigung der Hedi Kupfer Stiftung Fredelsloh als Nachlassverwalterin.