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Mittwoch, 25. Oktober 2023

Lilli Recht: Herbst / Herbstgedanken / Oktober

 



Herbst

Den Lenz, den haben wir alle verträumt.
Wir spielten im Garten Erwachsensein.
Wir waren jung und es kann wohl sein,
Dass wir damals das Glück versäumt.

An den Sommer denk ich nicht gern zurück,
Wir suchten Liebe und fanden Leid.
Im Schatten der Bäume zur Abendzeit
Begruben wir unser Glück.

Nun, da die hohen Bäume entlaubt
Schweifen die Blicke himmelwärts,
Und wir schenken dem Herbst unser wissendes Herz,
Das wieder an Liebe glaubt.


Herbstgedanken

Nun werden bald die ersten Blätter fallen,
Pelzmäntel tauchen schon vereinzelt auf.
Und an Straßenecken bieten alte Weiber
Des Herbstes bunte Blumen zum Verkauf.

Es regnet oft, und graue Nebel senken
Sich feucht und schwer aufs reife Land -
Die Schwalben fliehn , - die Menschen kehren wieder
Zur Stadt zurück, erholt und braungebrannt. . .

Dann wird es kalt, die Tage werden kürzer,
Man zündet im Büro die Lampen an
Und schreibt und schreibt - Frost trübt die Fensterscheiben,
Eh´ man sich versieht, ist das Jahr vertan.


Oktober

Letzte Sonnentage
Blühn wie ein kurzer Traum
Über der schimmernden Halde,
Über dem welkenden Walde,
. . . Blätter gleiten vom Baum.

Breiten goldene Matten
Über die weißen Alleen,
Wo wir mit sommersatten
Schritten in frühe Schatten

Herbstkühler Nächte gehen.

Lilli Recht, aus: Ziellose Wege, Druck von Heinrich Mercy Sohn, Prag 1936

Lilli Recht wurde am 17. Februar 1900 in Hodolany / Hodolein bei Olomouc / Olmütz geboren.1938 emigrierte sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach Italien 1926 zog sie nach Prag, wo sie ihre Gedichte und Texte im Prager Tagblatt veröffentlichte. 1936 erschien ihr einziger Gedichtband Ziellose Wege. Lilli floh gemeinsam mit ihrer Schwester vor der nationalsozialistischen Besetzung nach Italien, 1941 wurde sie interniert. Nach ihrer Freilassung 1944 lebte sie in Neapel und später in Potenza. Weitere Lebensdaten sind nicht bekannt.

Das Foto zeigt Lilli Recht mit ihrer Schwester Gertrude

Das Bild ist von Eugene Galien-Laloue (1854 - 1941)



Sonntag, 30. April 2023

Lilli Recht: Mai

 



Mai

Man hat den alten Mantel putzen lassen,
Den Winterhut mit Stroh umsäumt,
Das Seidenkleid nochmal gewaschen
Nun schlendert man durch helle Gassen
(Die Hände in den leeren Taschen),
Sieht die Läden an - und träumt -

- Ja, der Frühling wird nun wieder kommen
Und es wird sogar der Flieder blühn,
Unser Herz (stark mitgenommen)
Wird vielleicht noch leicht erglühn.
Und man wird in einem Garten
Eine Zeitlang auf ein Wunder warten -

- Doch eh´ Wunder reifen wird es kühl,
Eh´ man glücklich sein kann wird man still
Und so geht man, wenn es Abend wird,
(Scheu vorbei an Plakaten,
Die der Fremde Schönheit bunt verraten)
Einen Weg, der nach der Vorstadt führt.

Lilli Recht, aus: Ziellose Wege, Druck von Heinrich Mercy Sohn, Prag 1936

Lilli Recht wurde am 17. Februar 1900 in Hodolany / Hodolein bei Olomouc / Olmütz geboren.1938 emigrierte sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach Italien 1926 zog sie nach Prag, wo sie ihre Gedichte und Texte im Prager Tagblatt veröffentlichte. 1936 erschien ihr einziger Gedichtband Ziellose Wege. Lilli floh gemeinsam mit ihrer Schwester vor der nationalsozialistischen Besetzung nach Italien, 1941 wurde sie interniert. Nach ihrer Freilassung 1944 lebte sie in Neapel und später in Potenza. Weitere Lebensdaten sind nicht bekannt.

Das Bild ist von Hans Baluschek (1875 - 1935)

Samstag, 18. Februar 2023

Lilli Recht: Allein

 


Allein

Draußen riecht es schon nach Sommer,
Kleine Kinder schrei’n,
Liebespaare geh’n vorüber
- Nur du bist allein.

Später holt dich ein Bekannter,
Küßt dir leicht die Hand
Und führt dich in seinem Wagen
Sicher über Land.

Er erzählt dir von Geschäften,
Sagt, daß er dich liebt,
Insoweit es heutzutage
Eben Liebe gibt.

Und verführt vom Duft der Wiesen,
Wald und Feld im Abendschein,
Sprichst du ihm von Deiner Sehnsucht,
Deinem Einsamsein.

Doch er meint, auf Seelenleben
Läge er nicht viel Gewicht
Und er säh’ im allgemeinen
Mehr auf Beine und Gesicht.

Und er hätte Glück bei Frauen,
„Weil er es versteht“,
Und du könntest ihm vertrauen.
Denn er sei diskret.

Doch du siehst längst aus dem Fenster
Starr und unverwandt,
Vögel zieh’n und bunte Blumen
Steh’n am Wegesrand.

– Eine Hand faßt heiß nach deiner.
– Wird das immer sein? –
Neben uns sitzt irgendeiner –
Und man ist allein.

Lilli Recht aus: Ziellose Wege, Druck von Heinrich Mercy Sohn, Prag 1936

Lilli Recht wurde am 17. Februar 1900 in Hodolany / Hodolein bei Olomouc / Olmütz geboren.1938 emigrierte sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach Italien 1926 zog sie nach Prag, wo sie ihre Gedichte und Texte im Prager Tagblatt veröffentlichte. 1936 erschien ihr einziger Gedichtband Ziellose Wege. Lilli floh gemeinsam mit ihrer Schwester vor der nationalsozialistischen Besetzung nach Italien, 1941 wurde sie interniert. Nach ihrer Freilassung 1944 lebte sie in Neapel und später in Potenza. Weitere Lebensdaten sind nicht bekannt.

„Ich meine nicht die Braungebrannten
Wegwärts im grünen Wagen.
Ich meine jene stets Verbannten,
Die ihre Sehnsucht durch die Länder tragen.

Die Liebe suchen und die vor ihr fliehen
Und immer irgendwo ihr Glück versäumen.
Ich meine die, – die alle Welt durchziehen
Und in der Ferne von der Heimat träumen."

Das Bild ist von Arthur Segal (1875  -  1944)


Samstag, 10. Dezember 2022

Lilli Recht, Karl F. Kocmata: Allerseelen

 





Aus: Einsamer Wald - Ausgewählte Gedichte, Verlag von Frisch & Co., Wien und Leipzig, 1919

Lilli Recht wurde am 17. Februar 1900 in Hodolany / Hodolein bei Olomouc / Olmütz geboren.1938 emigrierte sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach Italien 1926 zog sie nach Prag, wo sie ihre Gedichte und Texte im Prager Tagblatt veröffentlichte. 1936 erschien ihr einziger Gedichtband Ziellose Wege. Lilli floh gemeinsam mit ihrer Schwester vor der nationalsozialistischen Besetzung nach Italien, 1941 wurde sie interniert. Nach ihrer Freilassung 1944 lebte sie in Neapel und später in Potenza. Weitere Lebensdaten sind nicht bekannt. Allerseelen aus: Ziellose Wege, Druck von Heinrich Mercy Sohn, Prag 1936

Karl Franz Kocmata, (16. Januar 1890, Wien – 29. November 1941, Wien), Pseudonym Karl Hans Heiding, war ein österreichischer Schriftsteller, Dichter, Zeitschriftenherausgeber und später Anarchist. Er war mit Erich Mühsam befreundet.

Das Bild „Allerseelen (1930) ist von Marianne von Werefkin (1860 - 1938)