Posts mit dem Label Albert Ehrenstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Albert Ehrenstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 26. Januar 2023

Albert Ehrenstein: Blumen blühen im Kühlen

 


Blumen blühen im Kühlen

Früh: Licht dämmert wie Nebel,
Mittags brät mich die Sonne,
Abends starr ich ins Feuer,
See brandet die Nacht lang.

Ich lausche dem Wasser,
Wie es vom Felsen fällt,
Ich lausche dem Laub,
Wie es den Baum berauscht.

Primeln sind da,
Veilchen sind da,
Ehrenpreis ist da,
Nur du bist nicht da.

Aus: Albert Ehrenstein (1886 - 1950), Werke Band 4/II Gedichte, 1997 Klaus Boer Verlag

Das Bild ist von Jean-François Millet (1814 - 1875)

Montag, 7. Februar 2022

Iwar von Lücken: Abschied

 


Iwar von Lücken, aus: Gedichte, Horen-Verlag, Berlin-Grunewald 1928

„Iwar von Lücken liebt die Natur und die aus ihr ragenden Gipfel hymnisch  -  so wurden seine Gedichte. Sie sind rein, Gebilde eines einsamen Schwärmers. Ich grüße ihn, den Enthusiasten, der dahintreibt auf den Eisbergen seiner Oden.“ Albert Ehrenstein

Iwar von Lücken, geboren am 19. Januar 1874 in Wiesbaden; gestorben 1935 in Paris) Dichter und Teil der Avantgarde-Kunstszene in Leipzig und Berlin der Zwischenkriegszeit. Er war Gegenstand mehrerer Gemälde von Otto Dix und Oskar Kokoschka der Hauptgrund, warum er heute überhaupt bekannt ist. Obwohl er bei denen, die ihn trafen, Eindruck machte und in verschiedenen historischen Biographien erwähnt wird, sind die Details seines Lebens und Todes nicht gut bekannt und sein einziger schlanker Gedichtband hat in seinem Leben oder danach wenig Anerkennung gefunden.

Eine Beschreibung von Iwar von Lücken in dem Buch von Edith Hoffmann über Kokoschka lautet: "Iwar von Lücken war ein baltischer Aristokrat, der von seiner Familie verleugnet wurde, weil er tolstoische Prinzipien predigte - und praktizierte; ein Dichter und ein Mann von großem Wissen, den die Armut auf ein Don Quijote-ähnliches Aussehen reduzierte; während alle anderen eine bewusste Unähnlichkeit gegenüber anderen Menschen pflegten, aber tatsächlich bequem mit der bürgerlichen Welt verbunden waren, die für ihre Bedürfnisse sorgte, war Lücken mit seiner Weltfremdheit, seiner extremen Bescheidenheit, seiner Liebe zu Kindern, seinen klassischen Zitaten, seiner altmodischen Höflichkeit, seiner Schwäche für die Flasche und seinen anrüchigen Anzügen wahrscheinlich der letzte echte Bohème".

Das Bild ist von Émile Friant (1863  -  1932)