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Mittwoch, 25. Januar 2023

Albin Zollinger: Tiefe des Traums

 



Tiefe des Traums

In den Sedimenten der Seele nachts
Gehen Bergstürze nieder,
Träume mit fallenden Wäldern,
Fallenden Städten,
Gewaltig,
Alle Verlorenheiten,
Durch die ich kam
In Jahrmillionen,
Funkeln vorüber
Und rieseln am Hange
Blühender Trümmer,
Verschütten des Herzens
Blau spiegelnde Brunnen
In Stürzen getürmter Nächte.

Albin Zollinger (1895 – 1941), aus: Stille des Wunders, Gedichte, Verlag Volk und Welt Berlin 1984

Das Bild ist von Odilon Redon (1840  -  1916)

Freitag, 21. Januar 2022

Albin Zollinger: Wo aber fliegen die Abendvögel hin

 

 

 

Albin Zollinger (1895 – 1941), aus: Gedichte, Rascher, Zürich 1933

Das Bild ist von Józef Chełmoński (1849 – 1914)

 

Dienstag, 7. November 2017

Albin Zollinger: Stille des Herbstes



Stille des Herbstes

Im Herbste kommen der Wiese die Herbstzeitlosen
und mir die Lieder,
die lieben Kinder der Melancholie,
die dämmernden Lampen im Nebel blühn wieder,
sanft dunkelt das tiefe Zuhause gebrochener Lüfte,
die Landschaft am Lethe,
der Sommer verwelkt, und Verträumung
füllt Gärten des Himmels, balsamische Beete.

Wie einer, der heimkehrt, nachdenksam verweilt
sich das Jahr in den Räumen der Stunden,
in diesem Meer, dieser Stille von Schilf
voller Weite, in der sich die Wasser gefunden.
Strömt alles zurück? Kommt die Kindheit noch einmal mit
Abend, mit Ängsten, mit ahnenden Wonnen
von Regen des Nachts? Du bist da, trübes Herz,
an des Herbstes melodischem Bronnen!


Albin Zollinger, Schweizer Dichter, geboren am 24.01.1895 in Zürich; gestorben am 7.11.1941 ebendort.