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Donnerstag, 26. Januar 2023

Georg Kulka: Denn

 


Denn

Noch stößt's heran und dieses beugte euch, warum der Mantel der Schlacht so geschürzt sei
am Morgen, kein Abschmack tröste, hin und zerfallen, kein Trostersatz uns zusammensetze und
keine Zwischenstation uns verbinde, die man Dichter nannte, warum über uns still verwundet der
Himmel noch im Verband eines langen, weißen Gewölkes liege .. Bis aus verzehrtem Wolkenschnee
das Blau in weiten Feldern wächst, Lerchen wie Töne auffliegen, Sterne in allen Blättern hängen,
die Lippe Versprechungen schaukelt: wir ziehen ostwärts, und die Lider zittern.
Als durch den Himmel nichts als abendrot der Abschied floß, genoß im Zug der pochende Fremdling
ausgedehnten Glanz der Sichtbarkeit, die dämmernd ihn mit dem Vermächtnis überfüllte:
Nie endet das Herz.

Georg Kulka (5. 6. 1897 - 29. 4. 1929), aus: Der Stiefbruder, Gedichtesammlung 1920, Band 11 von „Vergessene Autoren der Moderne“ Herausgeber: Universität-Gesamthochschule Siegen 1985 

Samstag, 29. April 2017

Georg Kulka: Die Welt verzichtet / Nichts Neues / Sichtbarkeit

Das Bild ist von der Fredelsloher Künstlerin Andrea Rausch




Die Welt verzichtet

So vergib dem All, wenn es ans Nichts
Sich wendend, Worte schleift um unbesiegte
(Schädel) Mauern durch den Staub der Verse,
Ausstrich, der es beklemmt, verschollnen Reim

Und Rätselhaftes würgte und erschrak
(Nicht kicherte): Konstruktion! - und
War's gestillt (nicht mehr), hart blieb,
Statt mitzuleiden, daß die Welt auf Rotation verzichtet!


Nichts Neues

Nimmer begegnen
Himmel kühlend
Dumpfen Leuchtkugeln.
Erde meidet,
Graun hinterläßt uns.
Spärlich verstreichen wir.
Phönix verstäubt.


Sichtbarkeit

Meine große, sehr grüne Wiese: Fremden ist der Eintritt nicht verboten, Wohlwollen sprießt, das vor der Wiederholung des Ixionrades sich nicht scheut, Theophanieen vereinigen mit ihrer starken Vereinigung sich, ihre ersten Welten schaffend und segnend. Du siehst den Wind dahinstreichen. Aber du siehst seine Gestalt nicht. Wie der Mond sich schert im Laufe des Jahrs: siehst du nicht. Roman fürchtete zwar auch, die Gedanken könnten verfaulen: doch als er erwachte, war es noch nicht zu spät.




Georg Kulka (* 5. Juni 1897 als Georg Christoph Kulka in Weidling/Niederösterreich; † 29. April 1929 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller.