Posts mit dem Label Paul Klee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Paul Klee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 11. September 2023

Franziska Stoecklin: Anacapri bei Nacht

 



Anacapri bei Nacht

So geisterhaft schimmern
die weißen Häuschen im Mondlicht.
Die Mauern und Kuppeln
wölben sich weich
und besänftigend wie Schnee.
Fern atmet das Meer.
Aus den Gärten strömet Duft
aus tausend blassen Kelchen,
unaufhörlich zu den Sternen. . .

Franziska Stoecklin, aus: Die singende Muschel, 1. Auflage 1925

Franziska Stoecklin, Lyrikerin, Erzählerin, Malerin, wurde am 11. 9. 1894 in Basel geboren und starb am 1.9.1931 ebendort.

Das Bild ist von Paul Klee (1879 - 1940)

Freitag, 18. August 2023

Friedo Lampe: Sind wir denn nicht alle verwandt?

 



Sind wir denn nicht alle verwandt?
Sind wir denn nicht alle bekannt?
Ach, nun tu dich doch nicht so,
ach, nun sei doch endlich froh.

Aus dem Tanzen, aus dem Meer
kommen ja die Bilder her,
fließen, strömen ohne Zahl,
folge mir ins Bachanal!

Überall sind wir zu Haus,
Erde, deine Macht ist aus,
fliegen blitzschnell hin und her,
Erde macht uns nicht mehr schwer.
Alles ist uns nun bekannt,
Näh' und Ferne, Meer und Land,
Wände fallen, Schranken schwinden,
Welten wollen sich verbinden!

Aber nun macht euch bereit,
überwindet auch die Zeit!
Alles sei auf einmal da.
Nun erblickt nach Götter Art
eine große Gegenwart!

Bilder, Bilder, Leben, Träume,
das verfliegt wie leichte Schäume.
Leben ist ja nur ein Traum,
was einst schwer war, fühlst du kaum,
und am End' bleibt nur zurück
Weltmusik und Schauens Glück.

Erde, wirst mir viel zu klein,
sieh, es muß geschieden sein,
aufwärts nun mit meinem Ball
steige ich ins große All.
Räume weichen, Schranken schwinden,
Welten wollen sich verbinden!

Aufwärts nun mit meinem Ball
steige ich ins große All!

Friedo Lampe (4. 12. 1899 - 2. 5. 1945), Chor aus der Erzählung „Laterna Magica“, aus dem Nachlass, veröffentlicht im Anhang zu dem Roman „Ratten und Schwäne“, Rowohlt Verlag, Hamburg 1949

Das Bild „Ballonfahrt“ ist von Paul Klee (1879 - 1940)

Mittwoch, 28. Juni 2023

Paul Klee: Ende Juni

 



Ende Juni

die Nacht geht so schnell
so groß schaut der Tag.

nur eines allein
ist nah
im Ich ein Gewicht
ein kleiner Stein.

ein Auge welches sieht – sonderbarer Blick –
das andere welches fühlt

Du still allein,
Ihr Ungeheuer
mein Herz ist euer,
mein Herz ist dein!

nur verhallende Schritte die Bitte.

Paul Klee, geboren am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee, Kanton Bern; gestorben 29. Juni 1940 in Muralto, Kanton Tessin, Maler und Grafiker (und Dichter) Aus: Gedichte / Neue erweiterte Ausgabe Verlag der Arche, Zürich 1980

Das Bild ist von ihm

Mittwoch, 26. Januar 2022

René Schickele: Phoenix

 


René Schickele, aus: Die Aktion  -  Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst; Sondernummer „Lyrische Anthologie“, 1913

Das Bild „Phoenix coniugalis“ ist von Paul Klee (1879  -  1940)


Paul Klee: Es war. . .

 


Paul Klee, geboren am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee, Kanton Bern; gestorben 29. Juni 1940 in Muralto, Kanton Tessin, Maler und Grafiker (und Dichter) Aus: Gedichte / Neue erweiterte Ausgabe Verlag der Arche, Zürich 1980

Das Bild "Märchen" (1820) ist von ihm

Donnerstag, 29. Juni 2017

Paul Klee: Was ich bin - fraget nicht (und andere Gedichte)

Paul Klee, Foto von Alexander Eliasberg, 1911


Was ich bin – fraget nicht.
Nichts bin ich,
zu nichts stehe ich.
Nur von meinem Glücke weiß ich.
Ob ich es verdiene, fraget nicht.
Laßt Euch sagen,
daß es reich ist und tief.
Vor Sonnenuntergang wollt' ich am Ziel sein.
Bei ihr.
Ich war gut gegangen.
Doch schlecht hatte ich gerechnet.
Die unsagbare Sehnsucht nach dem Ziel
beschwerte die vielen Stunden.
Über einen wilden Paß will ich
ins milde Tal.

1901


Zwei Berge gibt es,
auf denen es hell ist und klar,
den Berg der Tiere und
den Berg der Götter.
Dazwischen aber liegt das
dämmerige Tal der Menschen.
Wenn einer einmal nach oben sieht,
erfaßt ihn ahnend
eine unstillbare Sehnsucht,
ihn, der weiß, daß er nicht weiß,
nach ihnen, die nicht wissen, daß sie nicht wissen,
und nach ihnen, die wissen, daß sie wissen.

1903


Eine Art von Stille leuchtet zum Grund.
Von Ungefähr
scheint da ein Etwas,
nicht von hier,
nicht von mir,
sondern Gottes.
Gottes!
Wenn auch nur Widerhall,
nur Gottes Spiegel,
so doch Gottes Nähe.
Tropfen von Tief,
Licht an sich.
Wer je schlief und der Atem stand:
der . . .
Das Ende heim zum Anfang fand.

                                1901

Paul Klee, geboren am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee, Kanton Bern; gestorben 29. Juni 1940 in Muralto, Kanton Tessin, Maler und Grafiker (und Dichter)

Paul Klee: Gedichte / Neue erweiterte Ausgabe, Verlag der Arche, Zürich 1980