Ich gehe träumend durch die Zeit
Ich gehe träumend durch die Zeit,
ich wach' und träume doch,
ich leb' in der Vergangenheit
und trag' das heut'ge Joch.
Die Zukunft ist mein schönster Traum,
und böse Gegenwart,
spüre ich nicht, ich fühl' sie kaum,
sei sie auch noch so hart.
So geh ich träumend durch die Zeit,
sie eilt an mir vorbei,
bald ist sie schon Vergangenheit
und ich bin wach und frei.
Ein jüdisches Kind
Du bist ein Kind wie all die vielen,
die auf der ganzen Erde sind,
wie all die anderen Gespielen
und doch bist du so anders, Kind.
Du bist ein Kind, dem Heimat fehlt,
in allen Städten bist du fremd.
So lang dich nicht das Wort beseelt:
Heimat, dein Herz ist ungehemmt.
Einsicht
Als ich noch Buttersemmeln aß
und alles auf der Welt besaß,
was heut ich so begehre;
da merkt ich´s nicht, dass ich vergaß
des Lebens Wert, den ich nicht maß,
drum heut ich´s so entbehre.
Wenn einmal
Wenn einmal alles umgekehrt
und die Vernunft regiert die Welt,
wenn man den Menschen wieder ehrt,
und nicht den Krieger mehr als Held,
wenn alles Leben wieder blüht,
und alle Worte wieder frei,
und jedes Herz nach Liebe glüht,
wenn uns ersteht einmal der Mai,
dann wird die Erde erst erstrahlen
in ihrem echten klaren Glanz,
der beste Maler kann nicht malen
die Schönheit, die dann voll und ganz.
Dann wird der kleine Mensch erst sehn,
was Gott ist und auch die Natur
und wird das Leben erst verstehn,
wenn einmal endlich. . . wann denn nur?
Erika Taube, aus: Theresienstädter Skizzenbuch, Gedanken im Ghetto, Theresienstadt 13. 7. 1943
Erika Taube, geborene Steiger, geboren am 18. Juli 1913 in Wien; 1938 floh sie aus Wien nach Prag, wo sie den Komponisten Carlo S. Taube kennenlernte und im April 1941 heiratete. Nur wenige Monate später wurden beide in dem seit 1939 von der Wehrmacht besetzten Prag verhaftet und am 10. Dezember in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Carlo S. Taube führte dort seine Kompositionen und unmenschlichen Bedingungen fort und leitete auch ein eigenes Lagerorchester. Eines seiner Orchesterwerke trägt den Titel „Theresianische Suite“ auch „Theresienstädter Symphonie“ genannt. Mehrere der Gedichte Erikas, wie etwa das „Wiegenlied“ wurden von ihrem Mann vertont.
Am 4. Oktober wurde Erika Taube von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, drei Tage nach ihrem Mann, und unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet.
Einsicht
Als ich noch Buttersemmeln aß
und alles auf der Welt besaß,
was heut ich so begehre;
da merkt ich´s nicht, dass ich vergaß
des Lebens Wert, den ich nicht maß,
drum heut ich´s so entbehre.
Wenn einmal
Wenn einmal alles umgekehrt
und die Vernunft regiert die Welt,
wenn man den Menschen wieder ehrt,
und nicht den Krieger mehr als Held,
wenn alles Leben wieder blüht,
und alle Worte wieder frei,
und jedes Herz nach Liebe glüht,
wenn uns ersteht einmal der Mai,
dann wird die Erde erst erstrahlen
in ihrem echten klaren Glanz,
der beste Maler kann nicht malen
die Schönheit, die dann voll und ganz.
Dann wird der kleine Mensch erst sehn,
was Gott ist und auch die Natur
und wird das Leben erst verstehn,
wenn einmal endlich. . . wann denn nur?
Erika Taube, aus: Theresienstädter Skizzenbuch, Gedanken im Ghetto, Theresienstadt 13. 7. 1943
Erika Taube, geborene Steiger, geboren am 18. Juli 1913 in Wien; 1938 floh sie aus Wien nach Prag, wo sie den Komponisten Carlo S. Taube kennenlernte und im April 1941 heiratete. Nur wenige Monate später wurden beide in dem seit 1939 von der Wehrmacht besetzten Prag verhaftet und am 10. Dezember in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Carlo S. Taube führte dort seine Kompositionen und unmenschlichen Bedingungen fort und leitete auch ein eigenes Lagerorchester. Eines seiner Orchesterwerke trägt den Titel „Theresianische Suite“ auch „Theresienstädter Symphonie“ genannt. Mehrere der Gedichte Erikas, wie etwa das „Wiegenlied“ wurden von ihrem Mann vertont.
Am 4. Oktober wurde Erika Taube von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, drei Tage nach ihrem Mann, und unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet.