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Sonntag, 17. Dezember 2023

Felix Grafe: Nun will der Herbst mit welken Blättern. . .

 



Nun will der Herbst mit welken Blättern
mir meine blasse Stirne kränzen,
wenn Nebel durch die Äste klettern
in grauen, wunderlichen Tänzen.

Fühlst du, wie in den Hauch von Küssen
ein Schauer fremder Nächte gleitet?
Und wie ein Wiederwandernmüssen
dir neue Wege vorbereitet?

Aus: Felix Grafe, Dichtungen, ausgewählt und eingeleitet von Joseph Strelka, Bergland Verlag Wien, 1961

Felix Grafe, geboren 9. Juli 1888 in Humpolec, Österreich-Ungarn; gestorben 18. Dezember 1942 in Wien; eigentlich Felix Löwy, Lyriker und Übersetzer.

Seine ersten Gedichte erschienen 1908 in der Zeitschrift Die Fackel von Karl Kraus. Neben eigenen Dichtungen schuf Grafe Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Englischen und Französischen von William Shakespeare, Oscar Wilde oder Charles Baudelaire. Daneben begründete Felix Grafe die Zeitschrift Anbruch.

Nach dem Ersten Weltkrieg lebte Grafe, wie auch sein Bruder, in Wien. Hier wurde ihm 1941 ein antifaschistisches Gedicht zum Verhängnis, das er für die illegale kommunistische Zeitschrift Hammer und Sichel verfasst hatte. Er wurde im Juli verhaftet und schließlich am 18. Dezember 1942 wegen Zersetzung der Wehrkraft und Vorbereitung zum Hochverrat im Landesgericht Wien in der Landesgerichtsstraße 11 hingerichtet.

Montag, 29. Mai 2023

Felix Grafe: Nacht im Garten

 



Nacht im Garten


Schön ist es wohl,
wenn über dem blühenden Dill
Segler ihre gestreiften Flüge ziehen,
aber tiefer zittert das Geheimnis,
wenn seine funkelnden Kreise hinflutet
zärtliches Gestirn der Liebenden
über Nachtschatten und Jasmin.
Sieh, schon zog sie herauf,
die glühende Dämmerung.
Ängstlicher schmiegst du
an den Geliebten dich an,
aufblickend mit verdunkelten Augen
in das wolkenlose Tal.
Hingezogen in schimmernde Welle
weckt dir der Hauch des Windes
Erinnerung an Gärten der Kindheit.
Wie fern dies alles, fern und hingespült
mit unsichtbaren Händen aus dem Herzen.
Freundlicher wird schon der Abend,
später Sonne errötender Hauch
führt dem Liebenden schreibende Finger.

Aus: Felix Grafe, Dichtungen, Herausgegeben und eingeleitet von Joseph Strelka
Bergland Verlag Wien 1961

Felix Grafe, geboren 9. Juli 1888 in Humpolec, Österreich-Ungarn; gestorben 18. Dezember 1942 in Wien; eigentlich Felix Löwy, Lyriker und Übersetzer.

Seine ersten Gedichte erschienen 1908 in der Zeitschrift Die Fackel von Karl Kraus. Neben eigenen Dichtungen schuf Grafe Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Englischen und Französischen von William Shakespeare, Oscar Wilde oder Charles Baudelaire. Daneben begründete Felix Grafe die Zeitschrift Anbruch.

Nach dem Ersten Weltkrieg lebte Grafe, wie auch sein Bruder, in Wien. Hier wurde ihm 1941 ein antifaschistisches Gedicht zum Verhängnis, das er für die illegale kommunistische Zeitschrift Hammer und Sichel verfasst hatte. Er wurde im Juli verhaftet und schließlich am 18. Dezember 1942 wegen Zersetzung der Wehrkraft und Vorbereitung zum Hochverrat im Landesgericht Wien in der Landesgerichtsstraße 11 hingerichtet.

Das Bild ist von Claude Monet (1840 - 1926)

Mittwoch, 1. Februar 2023

Felix Grafe: Wundervoll gestirntes Schweigen

 


Wundervoll gestirntes Schweigen
atmet süß in meine Ruh -
sieh: mir wird die Welt zu eigen
und ihr ganzer Sinn bist du.

Wie in kindischem Vergeuden
fing das Leben leuchtend an -
wie in Schmerzen, wie in Freuden
mir das klare Spiel verrann!

daß ich nun sie wiederbringe,
Stunden, Stimmen, tot im Wind,
lausche ich verschlungner Dinge
rätselhaftem Labyrinth -

fühle diesen rätselvollen
Klang von Gassen, Wald und Zeit -
ach: so lange war's verschollen
tief im Meer der Ewigkeit.

Niemals wieder, niemals wieder
kehrt verlornen Lachens Kraft -
und die Stimmen, und die Lieder
bleiben ewig rätselhaft.

Wie in wundervollem Kreise
spiegelnd diese Nacht verrann
und du stehst und schauerst leise:
fremdes Antlitz starrt dich an.

Ja, ich lag an jungen Brüsten
und die Nacht war tief und klar -
nicht in Leiden, nicht in Lüsten
war die Welt mir offenbar -

und ich wollte nicht erwachen,
aber ach, ich bin erwacht.
Stark wie ein korallnes Lachen
drang es in die stillste Nacht.

Schwer an Schmerzen, reich an Lasten
geh ich durch die Welt dahin -
und gleich närrischen Fantasten
such ich sinnlos ihren Sinn.

Lachen, lachen - strahlend nieder
braust der Sonne großer Tanz -
niemals wieder, niemals wieder
kehrt vergessnen Lachens Glanz.

Wie aus wachgeküssten Zweigen
spiegelnd diese Nacht verrinnt -
wundervoll gestirntes Schweigen -
rätselhaftes Lied im Wind -

Bin ich noch ein Kind der Erde?
Sonne stieg aus süßer Nacht -
und mit trauriger Gebärde
grüß ich, die mir göttlich lacht.

Herbst ist durch den Wald gegangen
als ein Mädel, zart und bleich.
Und an ihren jungen Wangen
wird mein dunkles Leben reich.

Ja, an ihren kühlen Brüsten
werden Schmerzen holdes Spiel -
und an ihren nie geküssten
Lippen glänzt ein neues Ziel.

Tausendfach gestirnte Nächte
hüten meine heilige Ruh:
All das Gute, all das Schlechte,
sieh: ihr ganzer Sinn bist du.

Aus: Felix Grafe, Dichtungen, Herausgegeben und eingeleitet von Joseph Strelka
Bergland Verlag Wien 1961

Felix Grafe, geboren 9. Juli 1888 in Humpolec, Österreich-Ungarn; gestorben 18. Dezember 1942 in Wien; eigentlich Felix Löwy) Lyriker und Übersetzer.

Seine ersten Gedichte erschienen 1908 in der Zeitschrift Die Fackel von Karl Kraus. Neben eigenen Dichtungen schuf Grafe Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Englischen und Französischen von William Shakespeare, Oscar Wilde oder Charles Baudelaire. Daneben begründete Felix Grafe die Zeitschrift Anbruch.

Nach dem Ersten Weltkrieg lebte Grafe, wie auch sein Bruder, in Wien. Hier wurde ihm 1941 ein antifaschistisches Gedicht zum Verhängnis, das er für die illegale kommunistische Zeitschrift Hammer und Sichel verfasst hatte. Er wurde im Juli verhaftet und schließlich am 18. Dezember 1942 wegen Zersetzung der Wehrkraft und Vorbereitung zum Hochverrat im Landesgericht Wien in der Landesgerichtsstraße 11 hingerichtet.

Das Bild ist von Nicholas Roerich (1874 - 1947) 

Dienstag, 19. Dezember 2017

Felix Grafe: So gehst du abends. . . / Im roten Abend

Ein Bild der Fredelsloher Künstlerin Andrea Rausch


So gehst du abends durch das Tor,
wenn schon vor Nacht die Sonne sinkt,
wenn schon im letzten Licht ertrinkt
der bunten Stimmen süßer Chor.

Und fühlst: dein Sinn wird wieder leicht,
den dir der Tag so schwer gemacht,
und merkst, aus dumpfem Traum erwacht,
wie sehr dein Herz den Blumen gleicht.

Dein Herz, das jedes Lied bewahrt
so zwischen Auf- und Niedergang,
ein Lied von jung und altem Klang,
wie deiner Liebsten Hände zart.

Das Dunkel sinkt, das Licht verging,
auch du gehst heim, ein armer Tor,
der Licht und Seligkeit verlor.
Dann sprich zu deiner Seele: Sing

die Lieder liebreich und verhaßt
von ungekanntem Glück und Schmerz -
horch, Herz!
Gott selbst ist heut bei dir zu Gast.



Im roten Abend ging mein später Schritt,
von ferne kreischten noch die Gassenhauer
zu meinem Ohr - erst an der weißen Mauer
des Parkes blieb ich stehn - und langsam glitt

mein Blick in dieses Abends süße Trauer,
verwundert, daß mein totes Herz es litt,
noch einmal aus verloschner Schönheit Schauer
dies auferstehn zu sehn - was ich erstritt

in schweren Nächten und dann doch verlor -
da schlug es zehn - der Wächter kam und rief -
ich lachte leis - war diese Nacht so tief,

daß ich mit leichtem Herzen durch das Tor
heimschreiten durfte, gleich als ob ich schlief?
und hell - und froh - und kindisch wie zuvor?


Felix Grafe, als Felix Löwy am 9. Juli 1888 in Humpolec, Böhmen geboren, am 18. Dezember 1942 in Wien gestorben, war Lyriker und Übersetzer.

Nach dem Ersten Weltkrieg lebte Grafe in Wien. Hier wurde ihm 1941 ein antifaschistisches Gedicht zum Verhängnis, das er für die illegale kommunistische Zeitschrift Hammer und Sichel verfasst hatte. Er wurde im Juli verhaftet und schließlich am 18. Dezember 1942 wegen Zersetzung der Wehrkraft und Vorbereitung zum Hochverrat im Landesgericht Wien in der Landesgerichtsstraße 11 hingerichtet.