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Samstag, 22. Juli 2023

Max Bruns: Rumpelstilzchen / Rapunzel

 



Rumpelstilzchen

„Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“

Bestrahltes Felsgeklüft rahmt fremd ein Bild -:
Ein emsig Männchen in der mosigen Lichtung
legt trockne Scheite zu durchlohter Schichtung,
dem Tiegel unter, drin des Mondes Schild

sich spiegelt auf dem Sud, der gährend quillt.
Oft neigt er prüfend sich zu näherer Sichtung,
raunt drohnte Strophen rauh geratner Dichtung
und eilt und schleppt und summt und lächelt wild

und wirft, die er in vollen Fäusten trug,
die kundige Mischungen trocknen Kräutersamens,
bis schwebend blau und klar die Flamme schlug.

Dann hastet er im Raum des Felsenrahmens
und tollt und tanzt und tut sich kaum genug
am krausen Klang des ungekannten Namens.


Rapunzel

„Rapunzel! Rapunzel!
Lass mir dein Haar herunter!“


Ich strählte Nacht für Nacht mit breiten Kämmen
den goldnen Strom der wogenschweren Haare;
nun wallen sie als eine wunderbare
bestrahlte Flut und sind nicht einzudämmen.

So rankt kein Birkenlaub von bleichen Stämmen.
Und wenn ich in die weichen Schleier fahre
und reiche sie hinaus, die sommerklare
tiefdunkle Nacht mit Gold zu überschwemmen,

erwacht die Nachtigall in Tau und Kühle
und strömt in die berückten Himmelmeere
und in mein Lichtgelock so süße Schwere,

dass, naht der Knabe, sich emporzuschwingen
in Duft und Glanz, ich in den goldnen Ringen
die Last des schlanken Leibes kaum noch fühle.

Max Bruns, aus: Die Lieder des Abends, Minden 1916

Max Bruns, geboren am 13. 7. 1876 in Minden, war Verleger, Übersetzer und Dichter. Unter anderem übersetzte er Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen, an dieser Übersetzung arbeitete er mit seiner Frau Margarete Bruns zusammen. Er starb am 23. 7. 1945 in seinem Geburtsort an den Folgen eines Raubüberfalls.

„Wenn schon dem Menschen diese beiden Mittel gegeben sind, sich selbst zu vollenden, die Liebe und die Kunst: wie sehr muß es ihm dann vergönnt sein, sich bis zu seinen äußersten Möglichkeiten zu steigern, wenn er dem Erlebnis der Liebe im Kunstwerk Ausdruck und Gestaltung gibt!“ Max Bruns

Die Illustration ist von Anne Anderson (1874 - 1952)

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Max Bruns: Von den tiefsten Wundern unserer Nächte / Ein Flüstern / Lied

 




Aus: Die Gedichte (1893-1908) Verlegt bei J. C. Bruns in Minden (Westfalen) 1908


Aus: Max Bruns Lesebuch Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Anne Kathrin Pfeuffer, 2005 Nyland-Stiftung, Köln

Hermann Hesse an Max Bruns [09.01.1906]: „ Hochgeschätzter Herr Bruns! Ihre Dedikation ist mir wertvoll und ich sage Ihnen schönen Dank. Der Geist des Buches tat mir wohl und auch in Betracht der Form ist mir das Lesen erfreulich und bildend gewesen. Sie gehen einen anderen Weg als ich, sind kühner und vielleicht voraussetzungsloser und gerade das war mir wertvoll. Leider fällt mir das Schreiben von Briefen unglaublich schwer, namentlich seit ich auch einen kleinen Sohn habe, der Bruno heißt. Sonst würde ich mehr sagen. Ich wünsche Ihnen von Herzen Gutes als Ihr Hermann Hesse“

Max Bruns, geboren am 13. 7. 1876 in Minden) war Verleger, Übersetzer und Dichter. Unter anderem übersetzte er Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen, an dieser Übersetzung arbeitete er mit seiner Frau Margarete Bruns zusammen. Er starb am 23. 7. 1945 in seinem Geburtsort an den Folgen eines Raubüberfalls.

Wenn schon dem Menschen diese beiden Mittel gegeben sind, sich selbst zu vollenden, die Liebe und die Kunst: wie sehr muß es ihm dann vergönnt sein, sich bis zu seinen äußersten Möglichkeiten zu steigern, wenn er dem Erlebnis der Liebe im Kunstwerk Ausdruck und Gestaltung gibt!“ Max Bruns

Das Bild „Schiffe im Dunkeln“ ist von Paul Klee (1879 - 1940)


Sonntag, 23. Juli 2017

Max Bruns: Mondlicht / Margarete Bruns: Abend



Mondlicht

Wenn dein Leib so weich bei meinem wohnt,
wird meine Seele still ein Silbermond,

deß Licht beglänzt zwei bleiche blaue Wellen,
die heilig-heimlich ineinanderquellen,

die traumesleise sich zur Ruhe wiegen -
und verklärt in lauter Glanze liegen . . .


Abend

Wir haben kein Wort gesprochen
und saßen so lange allein; …
deines Blutes Pulsen und Pochen
sang mich in Schlummer ein.

Mit beiden Händen hielt ich
lose dein blondes Haar -
tief im Traume noch fühlt' ich,
wie ich glücklich war …

Margarete Bruns, am 24. September 1873 als Margarete Sieckmann in Minden, Westfalen geboren, war Märchenerzählerin und Lyrikern. Im Jahre 1899 heiratete sie den Lyriker und Verleger Max Bruns. Sie starb am 18. 12. 1944 in ihrem Geburtsort.

Max Bruns, geboren am 13. 7. 1876 in Minden) war Verleger, Übersetzer und Dichter. Unter anderem übersetzte er Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen, an dieser Übersetzung arbeitete er mit seiner Frau Margarete Bruns zusammen. Er starb am 23. 7. 1945 in seinem Geburtsort an den Folgen eines Raubüberfalls.

„Wenn schon dem Menschen diese beiden Mittel gegeben sind, sich selbst zu vollenden, die Liebe und die Kunst: wie sehr muß es ihm dann vergönnt sein, sich bis zu seinen äußersten Möglichkeiten zu steigern, wenn er dem Erlebnis der Liebe im Kunstwerk Ausdruck und Gestaltung gibt!“ Max Bruns