Ich möchte in diesem Blog Werke von Dichterinnen und Dichtern einstellen, welche mir bei meinen Streifzügen durch die Welt der Poesie begegnet sind, und die mir gefielen. So wird dies ein ganz persönliches Kompendium, von dem ich mir dennoch erhoffe, dass es auch anderen Menschen Freude macht. Also, viel Spaß beim Stöbern wünscht Dingefinder Jörg Krüger.
Durch Disteln war der Gang zu dir, Verschlossen du im glühenden Kosmos Wie ein Patriarch inmitten Gottes.
Prunkend schienst du staubigem Wanderer, Verklärt und befriedigt, Ein heiliger Knecht der Erde; Und der Fremde fühlte sich fremder noch.
Goldene Leuchter troffen vom süßen Abend, Um die Leiter letzten Sonnenstrahls Wirbelten geschäftig die rosa Engel, Und die Nymphen, deine Töchter, Hingen ihre silbernen Leiber um deine Lade.
II
Ein Veilchen fiel Mir plötzlich wie ein blauer Stern zu Füßen: Ich trug es in den goldnen Abend hin.
Wir beide mit unsern Augen Leuchteten uns an und loderten gewaltig: Wir beide hätten so gern geschrieen und geküsst:
Aber unsre Sprache war so schwach: Und die Liebe so unsagbar traurig! Wir welkten und starben auseinander.
III
In deinen Tiefen aber, Aus feuchten Augen gleichen Geistes dunkelnd, Warst du mir ebenbürtig, Wald!
O, dein Geschöpf zu sein, Nichts als ein Ton der Erde, Der Schmetterling ein bunter Tropfen Sonne, Und schlanke Füchse Mit starkem Blut aus nahen Büschen fühlen: Hingabe sein und brüderlicher Friede!
In deinen tiefen Tieren warst du mir geheiligt. Und ich ergab mich dir, Ging groß in Trieb und Düften auf.
Iwan Goll, aus: Menschheitsdämmerung, Symphonie jüngster Dichtung, Herausgegeben von Kurt Pinthus, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1920
Iwan Goll, auch Yvan Goll, geboren am 29. März 1891 in Saint-Dié, Frankreich, gestorben am 27. Februar 1950 in Paris, „hat keine Heimat: durch Schicksal Jude, durch Zufall in Frankreich geboren, durch ein Stempelpapier als Deutscher bezeichnet.
„Iwan Goll hat kein Alter: seine Kindheit wurde von entbluteten Greisen aufgesogen. Den Jüngling meuchelte der Kriegsgott. Aber um ein Mensch zu werden, wie vieler Leben bedarf es. Einsam und gut nach der Weise der schweigenden Bäume und des stummen Gesteins: da wäre er dem irdischen am fernsten und der Kunst am nächsten“. (Iwan Goll über sich selbst)
„Das Besondere in Leben und Werk dieses Schriftstellers wird in seinen Gedichten, Dramen, Romanen und publizistischen Arbeiten deutlich: aus ihnen spricht die Tragik eines Daseins, das sich nicht erfüllt hat und nicht erfüllen konnte. Zwar gelang es Goll immer wieder, den Anschluss an die bewegenden künstlerischen Strömungen seiner Zeit zu finden, doch wurde er nie zu den ganz „Großen“ gezählt.“
aus: Ausgewählte Gedichte, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, Klappentext, 1982
Verheiratet war Iwan Goll mit der Dichterin Claire Goll, geboren als Klara Aischmann (1890 - 1977)
Ich bin gealtert vor Sehnsucht nach Feuchten Februaren und verspäteten Aprillen Um dir ein Maiglöckchen zu schenken Wie viele bleiche Nächte hab ich gewacht Um den Mond zu befragen Ob deiner Treue Ich habe elektrische Sommer ertragen Dein Telegramm erwartend Und an den Abenden der Traurigkeit Streichelte ich die Hände sterbender Lilien
Jede Jahreszeit ist gut für die Arbeit des Herzens: Bauer des Himmels Säe und ernte ich Sterne Um uns zu ernähren meine Geliebte.
Yvan Goll (auch Iwan oder Ivan Goll, eigentlich Isaac Lang; geboren am 29. März 1891 in Saint-Dié, Frankreich; gestorben am 27. Februar 1950 bei Paris), deutsch-französischer Dichter, er war verheiratet mit der Schriftstellerin Claire Goll (1890 – 1977)
Himmlisch
geboren, Knieen sie ihren Schmerz in die Erde: Orphisches Opfer
war ihre Losung.
Güte, o Güte Schlummert wie Schnee Um
ihre ruhig offene Lippe.
Todeslächeln tropft um ihr
Wolfsherz. Sonnige Fackel Qualmt ihr Gesang in den freienden
Wind.
O ihre Seelen, Herbe, halbgeöffnete
Knospen Morgenschimmernden Mandelbaums,
Fallen von den
gebrochenen Zweigen, Schlagen wie Sterne In unsre Nacht.
Iwan
Goll, aus: Requiem für die Gefallenen von Europa, Kommissionsverlag
von Rascher & Cie, Zürich – Leipzig 1917
Die
Flucht nach Lesbos
Gold War
gerollt In der Nacht, Und beide, Clo und Gynn, Tänzerin und
Tänzerin, Hatten getollt und hatten gelacht.
Aber morgens,
von den Fräcken verlassen, Fanden ihre blassen Hände sich . .
. Morgen weinten Clo und Gynn, Und sie flohen, Tauben im
Winde, Bis zur seligen Insel hin.
Und ihr nachtschwarzes
Tanzgewand Flatterte mit der Nacht über Land, Dass sie nun
standen wie rosa Wolken, Dass sie Hände hielten wie Möwen, Dass
sie Hüften bauschten wie Wellen, Dass sie Füsse trugen wie
Muscheln, Dass sie stiegen, morgengross, Schoss an Schoss.
Yvan
Goll, aus: Films (Verse), Verlag der expressionistischen Gedichte,
Berlin Charlottenburg 1914
Reise
ins Elend
Wie
aber schmerzt die Menscheneinsamkeit, wenn Landschaften mit
gleichem Leid wie du sich von dir wenden und in sich selbst
versinken, dir so fremd! Wenn klein ein Bahnhof dich in kalten
Regen stößt, ein Güterwagen leer und ohne Zukunft dich
anbettelt. Da kriecht ein fahler Gaul auf dunklem Acker, oh,
wenn der wüßte, daß du existierst und du ihn liebst, ihm würden
Flügel blau zum Himmel wachsen. Manchmal schaut Wasser auf zu dir
mit großen Augen, und weil es nicht dein Lächeln sah, fällt
freudlos es und schal in sich zurück. So läßt du alles dort
allein. Es reißt dein Schicksal dich dahin. Die alte Bucklige am
Damm wird ewig nach dir blicken, untröstlich steht das schreiende
Plakat am schiefen Giebel. So läßt du alles dort allein in
unerfüllter Liebesdemut und weißt es doch, daß, Einsamer, dich
eine Stadt erwartet, in der du weinen wirst die lange Nacht im
billigen Hotel.
Aus
der Anthologie Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts, DTV, 1962
Iwan
Goll, auch Yvan Goll, geboren am 29. März 1891 in Saint-Dié,
Frankreich, gestorben am 27. Februar 1950 in Paris, „hat keine
Heimat: durch Schicksal Jude, durch Zufall in Frankreich geboren,
durch ein Stempelpapier als Deutscher bezeichnet.
"Iwan
Goll hat kein Alter: seine Kindheit wurde von entbluteten Greisen
aufgesogen. Den Jüngling meuchelte der Kriegsgott. Aber um ein
Mensch zu werden, wie vieler Leben bedarf es. Einsam und gut nach der
Weise der schweigenden Bäume und des stummen Gesteins: da wäre er
dem irdischen am fernsten und der Kunst am nächsten“. (Iwan Goll
über sich selbst)
„Das
Besondere in Leben und Werk dieses Schriftstellers wird in seinen
Gedichten, Dramen, Romanen und publizistischen Arbeiten deutlich: aus
ihnen spricht die Tragik eines Daseins, das sich nicht erfüllt hat
und nicht erfüllen konnte. Zwar gelang es Goll immer wieder, den
Anschluss an die bewegenden künstlerischen Strömungen seiner Zeit
zu finden, doch wurde er nie zu den ganz „Großen“ gezählt.“
aus:
Ausgewählte Gedichte, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig,
Klappentext, 1982
Verheiratet
war Iwan Goll mit der Dichterin Claire Goll, geboren als Klara
Aischmann (1890 - 1977)
Der Schnee, der zu Morgen die Stadt befiel, war wie eine schauernde Erinnerung der vergang- nen Nacht: Goldene Sternpailletten, bunte Karnevalsbänder, rote Liebesblumen: erblaßt war all die Pracht. Aber die Stadt lag da wie ein geschliffener Dia- mant; das siebenfarbige Licht brach sich von allen Flächen los. Die Plätze schüttelten die schattengrünen Domi- nos. Die Straßen, orangehell unter den triefenden La- ternen, krümmten sich wie trockene Schalen. Steinrunzlige Kirchen funkelten im Purpur der Morgenstrahlen. Blaue Vergißmeinnicht blühten in erwachenden Fenstern auf. Die Reiterstaue trug Schneesilber auf Pallasch Mantel und Knauf.
Die ersten Menschen, die das sahen, glaubten in ein gläsernes Paradies zu treten. Schnee schluchzte in die Stadt wie ein stummes Seufzen, ein inneres Beten. Es stäubte inniges, sinniges Leid Über die harte Wesenheit. Wie schmerzliches Lächeln, wie eine geschminkte Pierrotmaske lag der Schnee, Wie ein trostlos trauriges Weh, Ein müder Schnee, Ein gütiger Schnee, Ein grüblerisches Sinnen und Spinnen: Gedanken über ein Totenlinnen.
Iwan (Yvan) Goll (1891 - 1950), aus: Die Aktion, Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst 1917. Als Pazifist vor dem Wehrdienst fliehend, emigrierte er zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 in die Schweiz, wo er in Zürich, Lausanne und Ascona lebte.
Das Bild „Winter“ ist von Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875 - 1911)
Klagen will ich über den Auszug der Männer aus ihrer Zeit; Klagen über die Frauen, deren zwitscherndes Herz nun schreit; Alle Klagen will ich sammeln und wiedersagen, Wenn die Witwen unter surrender Lampe ans bedrängte Mieder sich schlagen; Ich höre die Kinder mit blonder Stimme vor Schlafengehn nach dem Vatergott fragen; Auf allen Gesimsen seh ich Photographien mit Efeu, lächelnd der Vergangenheit treu; Aus allen Fenstern brennen die Blicke verlassener Mädchen in starre Weiten; In allen Gärten pflegt man Astern, als wäre ein Grab vorzubereiten; In allen Straßen wandern die Wagen langsamer, als wären sie im Trauerzug; In allen Städten schlagen die Glocken tiefer, denn immer ist jetzt einer, den eine Kugel zur Erde schlug; In allen Herzen ist eine Klage, Ich höre sie lauter alle Tage.
Iwan (Yvan) Goll (1891 - 1950), aus: Requiem für die Gefallenen von Europa, Kommissionsverlag von Rascher & Cie, Zürich – Leipzig 1917. Als Pazifist vor dem Wehrdienst fliehend, emigrierte er zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 in die Schweiz, wo er in Zürich, Lausanne und Ascona lebte.
Ich bin der Eine und das Doppelwesen Herz-König aufrecht und verkehrt zumal Verlust-Gewinner Tag-Nacht und Schwarz-Weiß Ich bin das Ich und schon Erinnerungsmal
Ich bin der Augenblick und seine Doppelsendung Mein Wort verfliegt und seine Wahrheit bleibt Fluß sag mir: bin ich Körper oder Blendung? Bin ich die Hochzeit zwischen Ja und Nein?
Denn auch der Fluß ist doppelt: du siehst Leib und Seele Netz deine Hand – liebkos den Himmelsraum Es blüht der Mond inmitten Algenzweigen Es tummelt sich der Fisch im Feuerschaum
Mensch mit zwei Lippen Menschen mit zwei Gesichtern: Bald Mönch bald Mörder je wie ich mich wende Mein Heldenrumpf trägt einen schwachen Nacken Und meine Frauenbrust dient meine Manneslende
Was tatst du rechte Hand mit deiner linken? Vom frühesten Rosa bis zur späten Purpurzeit? Wie hat der Fluß entschieden? Ach der blinde Fluß langweilt sich in der Unsterblichkeit
Es treibt die Zeit die grünen Wogenherden Vom Fleischgestade bis zum Traumasyl Ich schaukle tief im Wasser meine Wolke Gewinne mir Verlust im Doppelspiel
Iwan Goll, geboren am 29. März 1891 in Saint-Dié, Frankreich, gestorben am 27. Februar 1950 in Paris, „hat keine Heimat: durch Schicksal Jude, durch Zufall in Frankreich geboren, durch ein Stempelpapier als Deutscher bezeichnet.
Iwan Goll hat kein Alter: seine Kindheit wurde von entbluteten Greisen aufgesogen. Den Jüngling meuchelte der Kriegsgott. Aber um ein Mensch zu werden, wie vieler Leben bedarf es. Einsam und gut nach der Weise der schweigenden Bäume und des stummen Gesteins: da wäre er dem irdischen am fernsten und der Kunst am nächsten“. (Iwan Goll)
Das Besondere in Leben und Werk dieses Schriftstellers wird in seinen Gedichten, Dramen, Romanen und publizistischen Arbeiten deutlich: aus ihnen spricht die Tragik eines Daseins, das sich nicht erfüllt hat und nicht erfüllen konnte. Zwar gelang es Goll immer wieder, den Anschluß an die bewegenden künstlerischen Strömungen seiner Zeit zu finden, doch wurde er nie zu den ganz „Großen“ gezählt. Unsere Auswahl vermittelt einen Überblick über das literarische Schaffen von 1916-1948, ergänzt wird sie durch Briefe – lebendige Zeugnisse vom Auf und Ab eines an Erfolgen und Niederlagen reichen Lebens.
aus: Ausgewählte Gedichte, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, Klappentext, 1982
„Vergebens in den Kohleschächten Wollten die Gleichheit wir errechten. Vergebens in den Nachtkavernen Wollten wir Menschenwürde lernen. Vergebens in zwielichten Schenken Wollten wir Liebe groß verschenken. Vergebens in Versammlungsreden Verlangten wir das Licht für jeden. Nun sagen sie, beim Brudermorden Sei’n wir zu guten Bürgern worden, Und gönnen uns den Ruhm der Narren, Dieweil sie Massengräber scharren.“
Eine Kathedrale war ihm gebaut. Am roten Altar brannte das Herz der Menschheit. Aus den knieenden Dielen blühten Tulpen. Von der Erde quälten sich liebende Pfeiler los.
Feuerengel stürzten durch die gemalten Fenster. Asche schlug mit glühenden Flügeln empor. Mensch schrie aus humpeln- dem Elend auf.
Die Menschen hatten Jahrhunderte gewartet. Orpheus Kunst war ihr Glaube geworden. Sie hatten sich geschlagen. Sie hatten beten gelernt.
O nun riß sich jeder vom Alltag los. Orpheus brauchte nicht mehr hinabzusteigen. Orpheus brauchte sich nicht mehr umzublicken.
Alle, alle folgten seinem Gesang.
Die alte Dame, spitze Nase, das Ledertäschchen sorgsam umfaßt in zerrissenen Handschuhn.
Der russische Sprachlehrer, noch an einem Stückchen Schoko- lade vom Abendessen kauend.
Der Kommis, geflüchtet vom roten Plüschsofa einer Dirne: von der Kreuzigung an die irdische Liebe.
Studenten aus den Lesesälen, wo sie die Zeit aus der Zeitung gierig gefressen.
Kleine Mädchen fielen wie Veilchenbuketts in die Menge.
Arbeiter, in dicken Nagelschuhn, wuchsen aus den Säulen stark.
Eine Witwe stahl sich vom Bett des kranken Knaben los und flatterte irr im Wind der Menschen.
Der blonde Friseur hatte die schönste Krawatte an. Ein Liftboy, in grüner Livree, stand am Tor, als öffnete er den Schlag zur Himmelsarche.
Schuster hinkte herein. In seiner schwarzen Brille loderte der ganze goldene Dom auf.
Die Kassiererin des Warenhauses hatte sich mit kleinem rosi- gem Parfüm betüpfelt.
Zylinder in weißen Gamaschen monokelten herein.
Noch eine alte Dame. Die Schulknaben. Ein rothaariger Zollbeamter.
Alle, alle. Aus den kalten Mansarden. Aus den rauchigen Speisehallen. Aus den Werkstätten, Büros, Eßzimmern. Von der Straße, vom Bahnhof, aus den Wartesälen.
Sie kamen alle. Sie drängten sich zu spät herein, gingen auf den Fußspitzen.
Da ging ein Ton über die Welt.
Aus der Asche der Menschenbrust stieg ein Phönix durch die Kathedrale.
Dieser Ton: ein tiefgoldenes Schluchzen: Ein Gewölbe tut sich auf. Eine Geige setzt sich auf die Schultern des Bettlers. Eine Hand lächelt dem Kranken. Eine weiße Taube zeigt sich dem Blinden.
Der Ton fiel aus der Kuppel des Himmels: ein ferner Stern, der zwei Hügel bekam und um die Erde flatterte wie der königliche Saturn.
Dieser Ton war der Atem der Erde. Das ewige Geräusch in den Menschen.
Das machte, daß alle Brüder und Schwestern waren, denn sie stammten von demselben Ton ab.
Nie wieder konnten sie ihn vergessen. Derselbe Ton, der aus schüchternen Klavieren im Sommer auf die Straße fällt - den im Winter die Kinder zu Weihnacht stammeln.
Dieser Ton, Stimme der Narzissen, wenn Sonnenaufgang über die Hügel tastet. Und abends die Klage des blutigen Mohns über den verlassenen Äckern.
Dieser Ton - der ein Schrei war und ein Stöhnen. Die Geburt und der Tod. Dieser Ton der Offenbarung.
Orpheus sang.
Die Menschen hatten sich alle geöffnet. Die Kathedrale schimmerte von fließendem Blut. Durch Kleid und Hemd zeigte ein jeder seines Herzens leuchtenden Gral.
Allen Geknechteten klirrten die Ketten. Alle Gottlosen hör- ten den Himmel rauschen. Alle glaubten, glaubten, glaubten.
Die Schuld war von ihnen gefallen wie Schlaf am Morgen von den Augen. Den Alltag hatte draußen Regen wegge- schwemmt. Ewiges Fest bereitete sich vor.
Keiner war mehr allein. Nie wieder allein. Die Völker aufer- standen in diesem kristallenen Dom. Der Himmel war nie- dergekommen. Die Menschen küßten sich.
Fern in Nacht und Geschichte lag die tägliche Unterwelt. Orpheus der Befreier sang. Er führte die Menschheit hinaus zur Absolution.
Iwan Goll, aus: Der neue Orpheus - eine Dithyrambe, Verlag der Wochenschrift "Die Aktion" Berlin – Wilmersdorf 1918
Yvan Goll (auch Iwan oder Ivan Goll, eigentlich Isaac Lang; * 29. März 1891 in Saint-Dié, Frankreich; † 27. Februar 1950 bei Paris)
Messe für die Dichter
(Inspiriert vom Requiem für die Gefallenen Europas von Yvan Goll. 1917)
Sie wurden erschossen, begingen Selbstmord oder starben an
Seuchen: Rund 600 Künstler aus ganz Europa kamen im Ersten Weltkrieg um.
Der erste
Weltkrieg lockte zahlreiche Freiwillige an die Front, vor allem Städter und
Vertreter gebildeter oder höherer Gesellschaftsschichten.
Gerade die Bewegung des Expressionismus ist dafür bekannt, dass einige Dichter
aus diesem Grund das expressionistische Jahrzehnt nicht überlebten.
Alfred Lichtenstein (*1889) war bereits 1913 einjährig Freiwilliger und
somit von Anfang an am Weltkrieg beteiligt und starb 1914. Der
Hauptmann August Stramm (*1874) hätte die Möglichkeit gehabt, von der
Front wieder zurückzukehren, fühlte sich aber seinen Kameraden gegenüber
verpflichtet und starb 1915 als Bataillonskommandeur. Auch Ernst Wilhelm
Lotz (*1890) war bereits vor dem Weltkrieg Offizier. Er starb 1914 mit
eisernem Kreuz im Schützengraben. Georg Trakl (*1887) wurde als
Militärapotheker einberufen, erlitt einen Nervenzusammenbruch und beging 1914
Selbstmord. Ernst Stadler (*1883) wurde als Reserveoffizier 1914 von
einer Granate getötet. Während die bislang Genannten vor allem als Lyriker
berühmt sind, steht Reinhard Sorge (*1892) in der führenden Reihe der
Dramatiker des Expressionismus. Seine freiwillige Meldung wurde zunächst nicht
angenommen, später dann doch, er starb 1916 auf dem Verbandsplatz.
Aus derselben Generation entstammte Gustav Sack (*1885), den man
nicht unbedingt dem Expressionismus zurechnet. Er verweigerte zuerst den
Kriegsdienst, wurde aber dann doch eingezogen, um 1916 als Leutnant der Reserve
zu fallen. Auch mehr oder weniger dem Expressionismus nahe war Heinrich
Lautensack (*1889), der 1917 vom Kriegsdienst entlassen wurde und 1919 in
geistiger Umnachtung in einer Nervenheilanstalt starb. Walter
Flex (*1887) dokumentierte seine Kriegsbegeisterung in dem einstmals
vielgelesenen Roman Der Wanderer zwischen beiden Welten, in dem er seine
Zeit mit der Bibel an der Front besingt. Er wurde zwar 1917 von dort abberufen,
um an einer Publikation mitzuarbeiten, wünschte aber, in den Kampf
zurückzukehren und starb 1917 im Lazarett. Franz Janowitz (*1892)
begann auch als einjährig Freiwilliger, um 1917 im Spital sein Ende zu finden.
Hans
Leybold, Johann Peter Baum, Hans Ehrenbaum-Degele, Gerrit Engelke, Walter Ferl,
Wilhelm Runge sind weitere Namen, stellvertretend für viele, aus vielen
Nationen. Die Auswahl ist sehr subjektiv, ich möchte damit meinem Gedenken an
diese Dichter Raum geben. Es ist auch eine Mahnung: Krieg war noch nie eine
Lösung.
Musik: Jean Roger-Ducasse - 6 Préludes No. 1. Très
nonchalant / Prelude II for Piano
Hart stoßen sich die Wände in den Straßen ...
Hart stoßen sich die Wände in den Straßen,
Vom Licht gezerrt, das auf das Pflaster keucht,
Und Kaffeehäuser schweben im Geleucht
Der Scheiben, hoch gefüllt mit wiehernden Grimassen.
Wir sind nach Süden krank, nach Fernen, Wind,
Nach Wäldern, fremd von ungekühlten Lüsten,
Und Wüstengürteln, die voll Sommer sind,
Nach weißen Meeren, brodelnd an besonnte Küsten.
Wir sind nach Frauen krank, nach Fleisch und
Poren,
Es müssten Pantherinnen sein, gefährlich zart,
In einem wild gekochten Fieberland geboren.
Wir sind versehnt nach Reizen unbekannter Art.
Wir sind nach Dingen krank, die wir nicht
kennen.
Wir sind sehr jung. Und fiebern noch nach Welt.
Wir leuchten leise. – Doch wir könnten brennen.
Wir suchen immer Wind, der uns zu Flammen schwellt.
Aus: Ernst Wilhelm Lotz, Wolkenüberflaggt,
Gedichte, in der Reihe Der jüngste Tag, Band 36, Kurt Wolff Verlag, Leipzig
1917
Ernst Wilhelm Lotz wurde geboren am 6. Februar 1890 in Culm an der Weichsel,
Westpreußen; er „fiel“ als Kriegsfreiwilliger am 26. September 1914 bei
Bouconville, Frankreich. Er war Lyriker und Übersetzer, unter anderem
übersetzte er Gedichte von Arthur Rimbaud und Paul Verlaine.
Musik:
Gustav Holst - Ode to Death 1919verarbeitete
Holst seine Einsicht in die Sinnlosigkeit des Krieges in der Ode to
Death in Gedenken an Musikerkollegen und Freunde wie den jungen
Komponisten Cecil Coles, die auf dem Schlachtfeld umgekommen waren.Er wurde geboren am 21. September 1874 in Cheltenham;
gestorben am 25. Mai 1934 in London
In deinem Zimmer
In deinem Zimmer fand ich meine Stätte.
In deinem Zimmer weiß ich, wer ich bin.
Ich liege tagelang in deinem Bette
Und schmiege meinen Körper an dich hin.
Ich fühle Tage wechseln und Kalender
Am Laken, das uns frisch bereitet liegt.
Ich staune manchmal still am Bettgeländer,
Wie himmlisch lachend man die Zeit besiegt.
Bisweilen steigt aus fernen Straßen unten
Ein Ton zu unserm Federwolkenraum,
Den schlingen wir verschlafen in die bunten
Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe, Traum.
Ernst Wilhelm Lotz
Abschied (II)
Vorm Sterben mache ich noch mein Gedicht.
Still, Kameraden, stört mich nicht.
Wir ziehn zum Krieg. Der Tod ist unser Kitt.
O, heulte mir doch die Geliebte nit.
Was liegt an mir. Ich gehe gerne ein.
Die Mutter weint. Man muß aus Eisen sein.
Die Sonne fällt zum Horizont hinab.
Bald wirft man mich ins milde Massengrab.
Am Himmel brennt das brave Abendrot.
Vielleicht bin ich in dreizehn Tagen tot.
„Der einzige Trost ist: traurig sein. Wenn die Traurigkeit
in Verzweiflung ausartet, soll man grotesk werden. Man soll spaßeshalber weiter
leben. Soll versuchen, in der Erkenntnis, dass das Dasein aus lauter brutalen,
hundsgemeinen Scherzen besteht, Erhebung zu finden.“
Alfred Lichtenstein
Alfred
Lichtenstein, geboren am 23. August 1889 in Wilmersdorf bei Berlin; „gefallen“
am 25. September 1914 bei Vermandovillers, Somme, Frankreich), ein Dichter,
den auch leider viel zu früh Krieg und Tod holte.
Grodek (1914)
Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldenen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düster hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch Stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldenem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme der Geistes
nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungeborenen Enkel.
Am 3. November 1914 starb der Dichter Georg Trakl.
Trakl wurde als Militärapotheker einberufen und begab sich angesichts der
Gräuel, welcher er an der Front teilhaftig wurde, in den Freitod. Sein Gedicht
„Grodek“ entstand wenige Tage vor seinem Tod.Grodek ist wohl Trakls letztes
Gedicht und wurde kurz nach seinem Tod in der Zeitschrift Der
Brenner veröffentlicht
Musik: White Noise, The Visitation, LP An Electric Storm 1969
Claude Debussy -Noël des enfants qui n'ont plus de maison
Weihnachten
für Kinder, die kein Zuhause mehr haben, ein Weihnachtslied ,
für Gesang und Klavier, komponiert im Dezember 1915 von Claude
Debussy, Autor des Textes und der Melodie , und im folgenden Jahr
in Paris von Auguste Durand veröffentlicht
. Das mitten im ersten Weltkrieg entstandene Lied ist
eine Verurteilung der Besetzung Frankreichs durch
Deutschland. Dieses Stück ist das letzte Lied, das er
komponieren wird.
„Nous
n’avons plus de maisons !
Les ennemis ont tout pris, tout pris, tout pris,
Jusqu’à notre petit lits!
Ils ont brûlé l’école et notre maître aussi,
Ils ont brûlé l’église et monsieur Jésus-Christ,
Et le vieux pauvre qui n’a pas pu s’en aller!
Nous n’avons plus de maisons! Les ennemis ont tout pris, tout pris, tout pris,
Jusqu’à notre petit lit. »
Sehnsucht
Fieber rauscht in meinen Adern,
Glut stürzt Bergstrom zwischen
Felsenstein
Nach Deinen Augen tasten meine Hände
Auf Deinen Mund glüht Sonne heiße
Spiele
Ich lechze sehr nach Deiner Lippen
Tau,
nach schwarzem Glanz aus Deinen
fragen Augen,
dem Duft vom Haar und Deiner weißen
Hand
Im Wogen Deiner Brüste bin ich süß
Stumm wird mir Mund
Die Hand verkrampft
Starr wird mir Blick
Bald
Würgt mich die Schlacht
Kurt Striepe
Musik: Der Komponist Heinz
Winbeck legte Trakls Gedicht Grodek seiner 3.
Sinfonie Grodek (1987/88) zugrunde. Das rund 60-minütige Werk, 1988
uraufgeführt, ist für Altstimme, Sprecher und großes Orchester geschrieben I.
Presto isterico, Christel Borchers Orchestra: Deutsches Symphonie-Orchester
Berlin Leitung: Mathias Husmann.
Nun liegt
er hingebreitet auf der grünen Erde. Ich streichle Deine blonden Haare. Du
junger, junger Mensch, der Du zu Gott Dich aufrankst. Du Gläubiger in Kunst.
Schon blühte sie aus Deiner Brust. Weich leg ich meine Hand auf Deine
Knabenstirn. Im Himmel aller Kunst wird Deine zarte Blume leuchten. Im
Kinderland der Gläubigen wird man sie lieben. Und wenn Du fielst, noch steh
ich. Neben Dir. Ein Stern zerspringt. Ich leuchte seinem Glanze.
Herwarth Walden: Aus seinem Nachruf auf Kurt
Striepe, Der Sturm, 15. Mai 1918
„Ich hatte
viel Vertrauen gehabt in das Höhere und das Geistige des Menschen. Da stand ich
auf einmal vor der rauhen Wirklichkeit. Nicht Kunst, nicht Liebe, nicht
Weisheit, sondern Granaten, Granaten, Granaten.“
Theo van Doesburg, November 1914, Niederländischer Maler (1883-1931) Sein Werk wurde von den Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“
gebrandmarkt.
Loretto
Einen Tag
lang in Stille untergehen!
Einen Tag lang den Kopf in Blumen kühlen
und die Hände fallen lassen
und träumen: diesen schwarzsamtnen, singenden Traum:
Einen Tag lang nicht töten.
Edlef
Köppen(1893-1939)
Edlef Köppen
wurde mehrfach verwundet, unter anderem erlitt er Verätzungen durch
Giftgas und eine Lungenquetschung infolge einer Verschüttung, die ihn
lebenslang gesundheitlich beeinträchtigte. Im Verlauf des Krieges entwickelte
Köppen sich zum überzeugten Pazifisten und weigerte sich schließlich
im September 1918 weiterzukämpfen, was seine zwangsweise Internierung in einer
psychiatrischen Klinik in Mainz zur Folge hatte.
Musik:
„Vor dem Einschlafen“, Rudi Stephan, aus Sieben Lieder für Singstimme und
Klavier (1913 / 14) Hinrich
Alpers · Rudi Stephan · Tehila Nini Goldstein
Rudolf
Stephan, geboren am 29. Juli 1887 in Worms; „gefallen“ am 29. September 1915 bei Tarnopol, Galizien, Österreich-Ungarn),
Komponist.
Dem
Andenken eines gefallenen Tondichters
Wir hatten
musiziert und schwiegen jetzt
Und starrten vor uns hin und lauschten leise
Dem Nachklang der von dir erdachten Weise,
Als hättest du dich still zu uns gesetzt:
Nicht als
ein Toter, blutend und zerfetzt,
Nein, wie du warst in unserm Freundeskreise,
Verliebt, verträumt, wie einer auf der Reise,
Den alles wundert und den nichts verletzt.
Wir sahen
deine braunen Augen wieder,
Die für das Große dieser Welt gefunkelt,
Und dachten, welch ein Schicksal sie verdunkelt:
Wildfremder Hass riss dich zur Grube nieder.
Wenn er
dich je gekannt, der dich erschossen,
Er hätte dich wie wir ins Herz geschlossen.
Herbert Eulenberg, geboren
am25.
Januar 1876 in Mülheim am Rhein; gestorben am 4.
September 1949 in Düsseldorf-Kaiserswerth), Schriftsteller und
kämpferischer Humanist. Dem Anpassungsdruck während der Zeit des
Nationalsozialismus widersetzte er sich erfolgreich.
Weltbürgers
Wanderlied
Ich habe
einen Freund!
Ich habe meinen Freund überall in der Welt!
Ueberall tanzende Schwestern,
Blankstirnene Brüder,
Mit glühendem Salut!
Von Grönland bis Kap Hoorn
Weiss ich meine Familie,
Und das ist ihr Zeichen:
Schlag' ich nur mit einem Worte an,
Rauscht aus rotem Mund
Sprudelnder Geist
Wie göttlicher Quell
Aus Mosis Felsen.
Sag' ich aber ein Wort der Liebe,
Da wölbt sich in lachenden Augen
Ein Doppelhimmel
Und leuchtet mich an!
Wiege und
Sarg,
Kleinlicher Nachbarn
Hölzerne Heiligtümer -
Auf dem Ozean, hafenlos,
Erdenlos, himmelfremd,
Lass ich sie schwimmen!
Und doch weiss ich:
Keine Gemeinde
Gönnte mir Irrendem
Sechs Fuss Erde
Zu meiner Gruft!
Aber ich segle mit Purpurwolken
Da und dorten.
Ueberall sind Menschen,
Die meiner warten:
Eine Frau, deren Herz aufstöhnt,
Ein Chef, der meine Arbeit braucht,
Ein Kranker, den ich rette -
Ich bin ein Mensch!
Ein guter, ein schlechter,
Wie man es wolle -
Was sollt' ich nicht aller
Menschen der Welt,
Guter und Schlechter,
Bruder mich heissen?
Iwan
Goll, aus: Requiem für
die Gefallenen von Europa, Kommissionsverlag von Rascher & Cie, Zürich –
Leipzig 1917
Yvan
Goll (auch Iwan oder Ivan Goll, eigentlich Isaac Lang;
geboren am 29. März 1891 in Saint-Dié, Frankreich; gestorben
am 27. Februar 1950 bei Paris) war
ein deutsch-französischer Dichter und der Ehemann der
deutsch-französischen Schriftstellerin und Journalistin Claire Goll. Als Pazifist vor
dem Wehrdienst fliehend, emigrierte er zu Beginn des Ersten
Weltkriegs 1914 in die Schweiz, wo er
in Zürich, Lausanne und Ascona lebte.
Musik: Aleksander
Wertyński singt Sergei Yesenin - Pismo k'damie (Letter to a Lady), 1929
Da svidanya
drug moj, da svidanya... (Goodbye, my friend, goodbye My love, you are in my
heart. It was preordained we should part And be reunited by and by. Goodbye: no
handshake to endure. Let's have no sadness — furrowed brow. There's nothing new
in dying now Though living is no newer....) -Sergei Aleksandrovich Yesenin.
I Have a
Rendezvous with Death von Alan Seeger, gesprochen von Pete Seger
I have a rendezvous with Death
At some disputed barricade,
When Spring comes back with rustling shade
And apple-blossoms fill the air—
I have a rendezvous with Death
When Spring brings back blue days and fair.
It may be he shall take my hand
And lead me into his dark land
And close my eyes and quench my breath—
It may be I shall pass him still. I have a rendezvous
with Death
On some scarred slope of battered hill,
When Spring comes round again this year
And the first meadow-flowers appear.
God knows ’twere better to be deep
Pillowed in silk and scented down,
Where love throbs out in blissful sleep,
Pulse nigh to pulse, and breath to breath,
Where hushed awakenings are dear... But I’ve a rendezvous
with Death
At midnight in some flaming town,
When Spring trips north again this year,
And I to my pledged word am true,
I shall not fail that rendezvous.
Alan
Seeger, geboren am 22. Juni 1888 in New York City, USA;
“gefallen” am 4. Juli 1916 in Belloy-en-Santerre, Frankreich)
war ein US-amerikanischer Dichter. Seegers Gedichte wurden 1917 posthum
unter dem Titel Poems veröffentlicht, darunter sein bekanntestes
Gedicht I Have a Rendezvous with Death.
Wildgänse
rauschen durch die Nacht
Mit schrillem Schrei nach Norden –
Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!
Die Welt ist voller Morden.
Fahrt durch
die nachtdurchwogte Welt,
Graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
Weit wallt und wogt der Hader.
Rausch’ zu,
fahr’ zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
Was ist aus uns geworden!
Wir sind
wie ihr ein graues Heer
Und fahr’n in Kaisers Namen,
Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!
Walter
Flex, geboren am 6.
Juli 1887 in Eisenach; „gefallen“ als begeisterter
Kriegsfreiwilliger am 16.
Oktober 1917 bei Pöide (Peude) auf
der estnischen Insel Saaremaa (Ösel). Sein wohl
bekanntestes Gedicht, vertont zu einem „Volkslied“ geworden, stammt aus seinem
Roman „Wanderer zwischen den Welten“.
Zu den im
Video verwendeten Bildern:
Es sind
Gemälde zu sehen von: Augusto Giacometti, August Macke (Spielende Kinder im
Grünen), Umberto Boccioni, Joseph Sattler, Andrea Rausch (Fredelsloh), Federico
Armando Beltran, Hans Christiansen, Kuzma Petrov-Vodkin (Fantasia 1925), Odilon
Redon (2x), Wenzel Hablik (Crystal Utopias), Isaac Grünewald (In the world of fantasy),
Hans Christiansen, Erzsébet Korb, Edvard Munch (Liebespaar am Ufer), Harald
Slott-Møller, Heinrich Vogeler (Abschied 1898), Hermann Stenner (Kreuztragung 1913),
Alexandre Séon, Hans Baluschek (Krieg 1), (Krieg 2), Umberto Boccioni (States of Mind Those Who Go 1911), Félix Valloton
(Verdun), William Orpen – Zonnebeke, Umberto Boccioni(The city rises by 1910), Franz Marc (Kämpfende
Formen), Stanislaw Wyspiaski (Stas spiacy.1904), Ferdinand du Puigaudeau, John
Bauer, Edvard Munch (Der Kuss 1921), Felix Vallotton (Les intimités le mensonge),
Deckblatt von Der Sturm zum Tod von Kurt Striepe, Albin Egger-Lienz (Toter Soldat),
Albin Egger-Lienz (Finale), (Albin Egger-Lienz Leichenfeld II), Christopher Richard
Wynne Nevinson (Paths Of Glory 1917), Klemens Brosch (Schlummernder), Marianne
von Werefkin (House with Lantern), Legh Mulhall Kilpin (Gate of the Infinite), Walter
Gramatte (Der träumende Knabe - Ziganka), Foto Somme 1916, Foto Luretto 1915, William
Orpen, 4 Fotos Loretto 1915, Caspar David Friedrich (Novembersonne) und ein
weiteres Gemälde von ihm, Jan Mankes, Arthur Bowen Davies, Mikalojus
Konstantinas Čiurlionis, Károly Ferenczy (Orpheus 1894), Pekka Halonen, Hans
Thoma (Mondscheingeiger), Eugeniusz Zak (Landscape with a palace 1916), Georges
Lacombe (The ages of life 1892), Emile Friant (Gemeinschaft), Emile Friant (Discussion Politique 1889), Ignaty Nivinsky, Wandbild
in Bremen (Foto von mir), Heinrich Lefler, August Macke (Paradies, Ausschnitt), Plakat in Bremen (Foto von mir)
Zu den
Fotos:
Zu Beginn:
Ernst Wilhelm Lotz, Alfred Lichtenstein, Georg Tralö, Edlef Köppen, Rudi
Stephan, Yvan Goll
Zum
Abschluss: Alan Seeger, August Macke mit seiner Frau Elisabeth, Ernst Stadler, Franz
Janowitz, George Butterworth, Gerrit Engelke, Hans Leybold, Heinrich
Lautensack, Hermann Stenner, Kurd Adler, Reinhard Sorge, Peter Baum,
stellvertretend für so viele. . .
Alle Bilder
und Fotos sind gemeinfrei mit Ausnahme des Bildes von der Fredelsloher
Künstlerin Andrea Rausch, die 2016 verstarb. Die Nutzung erfolgt mit
frendlicher Genehmigung der Hedi Kupfer Stiftung als Nachlassverwalterin.
Dingefinders
LYRA: LYRAist die Abkürzung
für LYrikRAdio und bezieht sich auf die Audiospur. Die Bilder sind für YouTube
dazu gekommen. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke, weder der
Blog (Dingeinders Lesebuch) noch der YouTube-Kanal sind monetarisiert. Die
Reihe wird fortgesetzt.