Mein Neujahrswunsch
Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.
Karl Henckell,
geboren am 17. April 1864 in Hannover; gestorben am 30. Juli 1929 in Lindau am
Bodensee.
Karl
Henckell schrieb als „Nachtigall am Zukunftsmeer“ sozialkritische Gedichte,
erfüllt von einem utopischen Glauben an das Proletariat: „Heil dir, Retterheld
der Erde, Siegfried Proletariat!“, überzeugt, mit seinen Gedichten die sozialen
Verhältnisse ändern zu können.
Zur
Verbreitung seiner Gedichte, die während des Sozialistengesetzes (1878–90)
verboten waren, gründete er in Zürich einen eigenen Verlag. Zürich war auch
Verlagsort der sozialkritischen Gedichtbände Henckells, die 1885–1890
erschienen, bis Henckell die nächste Sammlung Trutznachtigall mit dem zweiten
Verlagsort Leipzig herausbringen konnte. Immer wieder trat H. als Vortragender
für seine Zeitgenossen ein und versuchte, breite Volkskreise, insbesondere die
Arbeiterschaft, für die Lyrik zu gewinnen. Eine Frucht seiner Bemühungen ist
die Sammlung „Buch der Freiheit“ (1893) mit der Widmung: „Ich widme dies Buch
der Freiheit den Hand- und Kopfarbeitern deutscher Zunge. Möge es ihnen Hammer
der Tat und Glocke des Gedankens, Rufer im Kampf der Tage und Genosse stillerer
Stunden sein, Feuersäule aus der Oede der Lebensnot und Oase der
liebesdurstigen Seele! …“. Später verzichtete er auf die lyrische Gestaltung
sozialer und aktueller Ideen und Ereignisse und zog sich auf die „reine Poesie“
zurück.
Das Foto
zeigt die Alte Eiche bei Fredelsloh, ein Naturdenkmal