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Samstag, 30. September 2023

Camill Hoffmann: Zecher in der Sternennacht

 


Zecher in der Sternennacht

Der Sterne diamantner Glanz
ist in mein dunkles Glas gestürzt,
nun ist mein Wein mit Ewigkeit gewürzt
und leise tanzt mein Herz leisesten Tanz.

Melancholie, so süß, wie Honig quillt,
durchduftet Wein und Blut mir wunderhold,
und spiegelnd malt sich in dem Kreis von Gold
das Bild der Welt, umfunkelt, rein und mild.

Camill Hoffmann, aus: Die Vase, Axel Juncker Verlag, Berlin Charlottenburg, 1910

Der Dichter Camill Hoffmann wurde am 31. Oktober 1878 in Kolín, Böhmen geboren; im Oktober 1944 wurde er im KZ Auschwitz ermordet.

Das Bild ist von Juan Gris (1887 - 1927)

Dienstag, 11. April 2023

Camill Hoffmann: Verschlossene Gärten

 



Verschlossene Gärten

Die Winde erzählen am einsamen Hang
Vom Frühling den wartenden Gärten;
Da wird den Gärten vom Lauschen bang,
Sie wissen nicht mehr wie lang, wie lang
Ihre traurigen Tage währten.

In ihren Träumen nur brennt noch hell
Ein heißes heimliches Sehnen
Nach einem springenden Silberquell
Und einer Frau im Rosenrondell
Mit sanften Cantilenen.

Nichts ist den Gärten so wunderbar
Wie ein Lied aus dem Menschenleben;
Drin ist der Liebe süße Gefahr,
Das Schicksal, finster, wild und wahr,
Und der Herzen verschwiegenes Beben.

Sie wussten nichts von der bleichen Frau,
Sie liebten bloß ihr Singen. . .
Das war so mild wie rieselnder Thau
Und machte die Abende weit und blau.
Wer wird das wiederbringen?

Denn eine Ahnung von großem Gram
Trat in ihr schweres Träumen. –
Und als der Frühling in Blüten kam
Und rings die Welt im Sturme nahm,
Da mussten sie ihn versäumen.

Der Dichter Camill Hoffmann wurde am 31. Oktober 1878 in Kolín, Böhmen geboren; im Oktober 1944 wurde er im KZ Auschwitz ermordet. Aus: Aus: Adagio stiller Abende, Gedichte von Camill Hoffmann, Verlegt bei Schuster & Loeffler Berlin und Leipzig 1902. Die Illustration ist von Adolf Zradila (1868 - 1942), der diesen Gedichtband mit zwanzig Holzschnitten bebilderte und zu dem Gedicht gehörig.

Mittwoch, 25. Januar 2023

Camill Hoffmann: Der Gedanke an dich / Ich fühle, wie im Schreiten / Letztes Gedicht

 


Der Gedanke an dich

Der Gedanke an dich
Duftet im Zimmer,

Hingeschneit liegt sein Schimmer
Wie Lächeln überall.

Wie der freundliche Aufblick der Gottheit
Unter ewig blühenden Brauen
Hat er den Tag gestreift, den veilchenblauen.

Ich fühle, wie im Schreiten

Ich fühle, wie im Schreiten
Mich eine Hand berührt
Und weiß mich nun bei Zeiten
Gehalten und geführt.

Ich habe deinen leisen,
Geliebten Griff erkannt.
So fern du bist, umkreisen
Seither mich wie gebannt
Die lieblichsten Gedanken.
Verzaubert scheint die Zeit,
Mein Herz gerät ins Schwanken,
Ob nah du bist, ob weit.

Letztes Gedicht

Wie danke ich dafür,
daß Gott die Träume schuf!
Durch diese einzige Tür
kommst du, Geliebteste, zu mir

Was soll mir das Gedränge
des Tages und alle Pein,
Was soll mir noch die Enge
der Mauern im Exil?

Die Nacht, die Nacht allein
verheißt mir Sinn und Ziel
Du kommst, Geliebteste, zu mir
Durch diese leise Tür.

Heute nacht mein Herz vergaß
zu schlagen, du tratest ein
mit wunden Händen, blaß
vom langem Einsamsein

Geliebteste, mein Kind
Sieh wie wir elend sind.
Ich warf mich hin vor dir,
Beschämt von deinen Wunden,
Da warst du schon entschwunden
Durch die geheime Tür.

Camill Hoffmann wurde am 31. Oktober 1878 in Kolín, Böhmen geboren; im Oktober 1944 wurde er im KZ Auschwitz ermordet.

Aus: Camill Hoffmann - Zuflucht Späte Gedichte und Erzählungen. Mit einem Nachwort herausgegeben von Dieter Sudhoff, Vergessene Autoren der Moderne XLVIII Herausgegeben von Marcel Beyer und Karl Riha Universität-Gesamthochschule Siegen 1990

Dienstag, 24. Januar 2023

Camill Hoffmann: Wunsch

 


Wunsch

Im Frühling, wenn die Welt noch jung
und alle Nächte - nur ein Quell
der Sehnsucht und Erinnerung -
aufrauschen selig, rein und hell,
wenn aller Kronen Blütenglanz
und neuer Winde sanfter Schwung
umfangen alle Länder ganz,
wenn selbst das müde Herz vergisst
den schmerzhaft unvernarbten Sprung
und voller eitler Wünsche ist –

Im Frühling möcht' ich durch das Tal
mit dir, Geliebte, Hand in Hand
hinschreiten so wie dazumal,
als ich zu meinem Glück dich fand.

Aus: Die Vase - Neue Gedichte von Camill Hoffmann
Axel Juncker Verlag Berlin-Charlottenburg 1910

Der Dichter Camill Hoffmann wurde am 31. Oktober 1878 in Kolín, Böhmen geboren; im Oktober 1944 wurde er im KZ Auschwitz ermordet.

Das Bild ist von Edvard Munch (1863 - 1944)

Dienstag, 23. Oktober 2018

Camill Hoffmann: Schwermut





Schwermut

Hinter langen Liliensäumen,
Die um schlanke Beete liefen,
Schliefen, schliefen
Rote Rosen schwer in Träumen.

Manchmal weckten sie Fontainen,
Die am Abend lauter sangen,
Und befangen
Fasste sie ein fernes Sehnen.

Und es seufzten auf die zarten
Rosen in den bleichen Zweigen.
Tiefes Schweigen -.
Doch voll Düfte stand der Garten.

Aus: Adagio stiller Abende
Gedichte von Camill Hoffmann
Verlegt bei Schuster & Loeffler Berlin und Leipzig 1902

Camill Hoffmann wurde am 31. Oktober 1878 in Kolín, Böhmen geboren; im Oktober 1944 wurde er im KZ Auschwitz ermordet.