Wacher Traum
Uns haben Rosenflocken
Mit Gluten überschneit;
Uns klang das große Locken,
Uns weckte wildes Leid.
Uns hat der weite Reigen
Mit Segen überglänzt;
Uns hat das linde Schweigen
Den kühlen Kelch kredenzt.
Es gaben flügge Englein
Uns munteres Geleit; -
Tomatenrote Wänglein
Zu losem Bund gereiht.
Wir glitten geisterleise
Ins violette Land,
Von tiefgeheimer Weise
In Rausch und Glück gebannt.
Arthur Sakheim, aus: Magnificat, Gedichte, Verlag von Carl Reissner, Dresden 1912
Arthur Sakheim, geboren am 27. Oktober 1889 in Libau; Schriftsteller, Journalist und Dramaturg. Im Sommer 1931 wurde er vom Intendanten des Schauspielhauses, selbst jüdischer Herkunft, wegen seines „undeutschen“ Spielplans fristlos entlassen. Er erkrankte im Sommerurlaub in Hiddensee an einer Blinddarmentzündung. Bald nach der Operation bekam er eine Lungenentzündung; er starb am 23. August 1931 in der Charié in Berlin.
Das Bild ist von John Bauer (1882 - 1918)

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