Gassen
In grauer Fronten endlos langer Reihe
steht Haus an Haus geduckt und wie verflucht.
In dieser armen Steinwelt ist nicht Weihe
und nicht ein Plätzchen, das vom Licht besucht.
Vom Licht, das drüberhin sich hell verschwendet
und alle großen Plätze reich beglückt,
und ab und zu ein Strählchen nur entsendet,
das dann ein Kindesauge ganz entzückt.
Das sind die Gassen in der Armut Enge,
das Leben flutet über sie hinweg.
Nur manchmal tun dir helle Kinderklänge
kund ihren nicht erfüllten Daseinszweck.
Maximilian Lazarowitz, aus der Zeitschrift Ver!, herausgegeben von Karl F. Kocmata, Wien, 1. November 1917
Maximilian Lazarowitz, geboren am 14, Juli 1895 in Karlsbad, Böhmen, war seit 1915 schriftstellerisch tätig, wurde 1916 Mitglied der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei« und war seit 1917 in der sozialdemokratischen Jugendbewegung in Wien aktiv. Am 15. Februar 1941 in das so genannte Ghetto Opole Lubelskie deportiert und dort nach dem März 1942 ermordet.
Die Illustration ist eine Zeichnung von Arthur Streiter (1905 - 1946) mit dem Titel Großstadthöfe, veröffentlicht in der Zeitschrift Besinnung und Aufbruch, Jahrgang 2 / Heft 3 Juli 1930
