Die letzte Zigarette
Der Tag ist eine schwere Pflicht-Etüde,
jedoch der Abend ist ein leichtes Fest,
Das aus dem Kerker mich entweichen lässt.
Ich streck’ mich wohlig aus. Ich bin so müde –
Was kümmert’s mich, dass es ein morgen gibt?
Aus dem Verstecke neben meinem Bette
Such ich hervor die letzte Zigarette
ich bin so glücklich: Ich bin so verliebt –
Und selig, bis der letzte Zug verglommen,
Gleit’ ich dahin in sanfter Traumesfahrt – – –
Am Morgen werd ich, kaum zu mir gekommen,
Mit mir recht böse sein. Es trift mich hart,
Das ich die Zigarette mir genommen,
Die ich mir zum Erwachen aufgespart.
Myra Frühenberg-Strauss, aus: Österreichische Spuren in Theresienstadt, Terezin Initiative Institute
Myra Fruhenberg-Strauss, geboren am 14. 7. 1900 in Wien, 1933 trat sie erstmals als Schriftstellerin in Erscheinung. Ihre kurzen Geschichten erschienen in diversen Wiener Blättern und im „Prager Tagblatt“. Außerdem tritt sie als Kabarettistin auf, auch zusammen mit ihrem Mann Leo Strauss. Ihre Hörspiele werden im Kopenhagener Rundfunk gesendet und ihre Theaterstücke mehrmals aufgeführt.1942 wird sie mit ihrem Mann ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie an den dortigen „Blockveranstaltungen“ mitwirkt. Am 12. Oktober 1944 wird sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Mann folgt ihr wenige Tage später in den Tod.
Das Bild "Dame mit Zigarette" ist von Oskar Zwintscher (1870 - 1916)
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