Freitag, 3. März 2023

Grete Tichauer: Flimmerndes Mädchen

 



Flimmerndes Mädchen

Als das ganze Zimmer voll Sternen war,
zog sie sich aus;
stand nackend und lachend
mitten drin da
in Sternen.

Oben haschten ihre Finger
den kleinsten nach;
größre flirrten und stiegen
um wiegende Glieder
Hüfte und Knie.

Silbern im Silber des Raumes;
in Sternen.

Sie tanzte des ersten Sterbens
klingenden Himmelstanz.

Grete Tichauer, aus: Der Sturm 1912 / 13

Margarete „Grete“ Fuchs (geb. Tichauer) wurde am 6. April 1893 in Breslau geboren. Am 4.März 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.

Das Bild ist von Léon Spilliaert (1881 - 1946)

Donnerstag, 2. März 2023

Gertrud Kolmar: Verlorenes Lied / Die Schlangenspielerin

 



Verlorenes Lied

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als lange Haare -
Bin zweiundzwanzig Jahre -
Sind rotes Gold, meine Haare,
Sagen die Kaufleut' mir.

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als gemalte Brauen -
Fluch den ehrbaren Frauen! -
Sind tintenschwarz, meine Brauen,
Sagen die Schreiber mir.

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als kecke Blicke -
Weißt du, wem ich sie schicke? -
Sind scharfes Schrot, meine Blicke,
Sagen die Jäger mir.

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als reife Lippen -
Tugend fährt über Klippen -
Sind kirschensüß, meine Lippen,
Sagen die Gärtner mir.

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als geschmeidige Sohlen -
Ei, in der Schenke das Johlen! -
Sind zum Tanzen gemacht, meine Sohlen,
Sagen die Spielleut' mir.

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als weiße Glieder -
Blankes Gold lockert mein Mieder -
Sind Flammen der Lust, meine Glieder,
Sagst heute nacht du mir.

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als ein Leben in Schande,
Einen Tod am Straßenrande -
Einst in zerlumptem Gewande
Scharrt man mich ein im Sande.
Wo? Sagt keiner mir.

Ich bin arm und habe nichts.
Nichts! Garnichts!
Nichts als die heimliche Zähre -
Daß ich so arm nicht wäre! -
Nur meine Dirnenehre!
Vom Strauch fällt die tausendste Beere;
Fault sie, wer sucht nach ihr?
Sterb' ich, wer weint nach mir?

Gertrud Kolmar, aus: Gedichte, Egon Fleischel & Co Verlag, Berlin 1917

Die Schlangenspielerin (2)

Tanze, tanze, bunte Schlange!

Mit geschärftem Beckenklange
Soll ein junges Kind beschwören,
Die dich ehren, dir gehören.

Tanze, tanze, bunte Schlange!

Schwarzes Pfeifchen, sei nicht bange:
Zauber ihrer Sternensteine
Wächst so groß nicht wie der deine.

Tanze, tanze, bunte Schlange!

Einem schweigenden Gesange
Ward der schmale Leib erschaffen,
Fremd dem Tiger, fern den Affen.

Tanze, tanze, bunte Schlange!

Brich die Nadel, Bronzespange,
Die um Menschenseelen, Flammen,
Dunklen Vorhang zerrt zusammen.

Tanze, tanze, bunte Schlange!

Quillst du doch an Gottes Wange;
Der dich liebte mit den Bösen,
Tanzend, wird er dich erlösen.

Tanze, tanze, bunte Schlange!

Gertrud Kolmar, aus: 49 Gedichte in 4 Räumen, geschrieben um 1933, posthum veröffentlicht

Gertrud Kolmar (Pseudonym für Gertrud Käthe Chodziesner, geboren am 10. Dezember 1894 in Berlin. Ab Ende der 1920er-Jahre erschienen einzelne ihrer Gedichte in literarischen Zeitschriften und Anthologien. 1934 wurde ihr zweiter Gedichtband Preußische Wappen im Verlag Die Rabenpresse von Victor Otto Stomps publiziert. Diese Veröffentlichung brachte den Verlag auf eine Liste unerwünschter Verlage des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, von dem er dann boykottiert wurde. Kolmar durfte ab 1936 nicht mehr unter ihrem Künstlernamen publizieren, sondern nur noch unter ihrem Familiennamen Chodziesner.

Ihr dritter Gedichtband Die Frau und die Tiere, der im August 1938 im Verlag Erwin Löwe erschien, wurde nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 in Zusammenhang mit der Auflösung der jüdischen Buchverlage verramscht.

Ab Juli 1941 musste Gertrud Kolmar Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten. Ihr Vater wurde im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort im Februar 1943. Gertrud Kolmar wurde am 27. Februar 1943 verhaftet und am 2. März 1943 im

32. sogenannten Osttransport des RSHA in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Von den etwa 1500 Berliner Jüdinnen und Juden, die in diesem Zug am 3. März 1943 in Auschwitz ankamen, wurden nach der Selektion an der 'Alten Rampe' 535 Männer und 145 Frauen als „arbeitsfähige“ Häftlinge registriert und in das Lager eingewiesen. Die übrigen etwa 820 Deportierten dieses Zuges, darunter Gertrud Kolmar, wurden nicht als Häftlinge registriert und vermutlich sofort nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet. (Wiki)

Mittwoch, 1. März 2023

Jakob Haringer: Abendlied

 


Abendlied

Aus Liebe nur ward ich ein Narr.
Der Regen spielt im Dämmerlicht,
O armes Herze brich mir nicht!
Kam nicht viel Lust und Sonnenschein -
Warum mußt Du verschlossen sein?
Schon fällt das Laub, der Nebel singt -
Im Traum verweht mein Tag verklingt -
Aus Liebe nur ward ich ein Narr.
Der Regen spielt. Wär mein Herz gesund,
Sternselig blüht die Trauerstund,
Bald rinnt der Sand zum letztenmal
Durch Rosenbusch und Mondenstrahl.
Ach müde Seele bist nicht bang?
Leis fing ich Dir den süßen Sang:
Aus Liebe nur ward ich ein Narr!
All was ich suchte, was ich fand
Trug bittres Leid schien gleißend Tand -
der Regen spielt im Dämmerlicht,
Du armes Herze brich mir nicht!!
Im Traum verweht mein Tag verklingt -
Schon fällt das Laub - der Nebel singt
Aus Liebe nur - aus Liebe nur -
ward ich ein Narr!

Aus: Jakob Haringer (1889 - 1948), Die Kammer, Regensburg Franz Ludwig Habbel 1921

René Schwachhofer schrieb 1947 in der verdienstvollen Auswahl vergessener, von den Faschisten verfemter Lyriker Vom Schweigen befreit:

Haringer hat einige der schönsten deutschen Gedichte geschrieben; sie könnten im Volksmund umgehen. Einst wird man fragen: Wer war ihr Verfasser?“

Das Bild (Abendmelancholie) ist ein Holzschnitt von Edvard Munch (1863 - 1944)


Lotte Brunner: An C. B. / An Piet

 



An C. B.

Wann ich auch bei dir war, so wollt´ ich sprechen.
Und gab doch nichts als Schwatz, der nur betäubt.
Erscheint dir denn, von Worten überstäubt,
Das Unversehrte zwischen den Gebrechen?

Ein Götterbild schläft unter meinem Leben,
Und immer reicht mein Blick zu diesem Grund.
So wie der Atem weht aus seinem Mund,
Seh ich Gestalten um Gestalten schweben.

Dann schwatz ich nicht, dann rinnt mein großes Weinen,
Wenn ich am tiefsten mich hinunterbiege,
Wenn ich erkenne, daß die Götterzüge
Vermischen deine Linien mit den meinen.

März 1936


An Piet

Mein Leben war wilder
Als mein Gemüt. Du Milder
Setztest die Wage gleich.
In deinem Reich
Wird nichts verschüttet
Und nichts zerrüttet. -
Dennoch mein großer Ungerechter:
Aus Trotz Verächter
Der Worte,
Mörder von Lob und Dank.
O laß mich bitten, da ich nun krank:
Hilf sanft mir schließen jene letzte Pforte!

28. März 1940

Lotte Brunner (1883-1943), Lehrerin und Schriftstellerin, aus: Gedichte 1903 - 1942, handschriftliches Manuskript, Leo Baeck Institute, New York

Der Stiefvater von Lotte Brunner war Constantin Brunner (geboren am 27. August 1862 in Altona; gestorben am 27. August 1937 in Den Haag), eigentlich Arieh Yehuda Wertheimer (Rufname Leo), Philosoph, Schriftsteller, Literaturkritiker.

1895 heiratete er Rosalie, geb. Auerbach, die sich künftig Leonie nannte, in Anlehnung an Brunners Rufnamen Leo. Mit ihrer Tochter Elise Charlotte, geb. Auerbach, die fortan den Namen Lotte Brunner trug, verband Brunner später ein intensiver Austausch über Literatur und Philosophie. Lotte Brunner veröffentlichte unter dem Pseudonym E. C. Werthenau und führte von 1903 bis 1932 ein Tagebuch über Bemerkungen Brunners zu seiner Philosophie und über Besuche und Gespräche im Hause Brunners. Leonie und Lotte Brunner wurden im Februar 1943 im Lager Westerbork inhaftiert und im März 1943 im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Das Bild ist von Odilon Redon (1840 - 1916)

Montag, 27. Februar 2023

Emerenz Meier: Die gereifte Eva

 


Die gereifte Eva

Im weiten Gebiet der Liebe
Blüht auch ein Wunderbaum,
Darunter die Eva träumet
Den wonnigsten Lebenstraum.

Dem Gatten, den Kindern ferne,
Nicht jung, doch schöner denn je,
Hat sie einen Knaben gerne,
Entsandt ihr aus Himmelshöh'.

Die köstlichste Unschuldsblüte,
Das süßeste Maienlicht, –
Sie beuget sich zu ihm nieder
Und zieht ihn ans Herz und spricht:

– Was war mir die erste Liebe!
Was war mir der reife Mann!
Was sind mir tausend Männer,
Mit Tigerfellen umtan! –

Dich liebe ich, holde Knospe,
So zitternd und so zart,
Für dich sterb' ich tausend Tode,
Du bist mir die rechte Art. –

Und Eva selig vergessend
Den ersten Sündenfall,
Sie sündigt nach Gottes Ratschluß
Zum zweiten- und schönstenmal.

Emerenz Meier, geboren am 3. Oktober 1874 in Schiefweg, Niederbayern; gestorben am 28. Februar 1928 in Chicago) war eine deutsche Schriftstellerin. Neben Lena Christ gilt sie als die bedeutendste bayerische Volksdichterin.

Zu Ende des Jahrhunderts wanderte der Vater wegen der zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Lage mit einigen Familienangehörigen in die USA aus. Im März 1906 folgte Emerenz Meier mit ihrer Mutter nach einem Intermezzo als Wirtin in Passau und Schriftstellerin in München dem ausgewanderten Vater und ihren Schwestern nach. Emerenz siedelte sich in Chicago im deutschen Viertel an. Der erhoffte persönliche wirtschaftliche Aufschwung stellte sich jedoch nicht ein. Im Jahr 1907 heiratete Emerenz Meier Josef Schmöller, der ein Landsmann aus dem Bayerischen Wald und ebenfalls ausgewandert war. Im Jahr 1908 kam ein Sohn zur Welt. Ihr Mann starb 1910 an Schwindsucht. Anfangs hielt Emerenz Meier noch Vorträge in deutschen Vereinen und verfasste Kurzgeschichten und Gedichte für deutschsprachige Zeitschriften, aber zu Wohlstand führte das nicht. In zweiter Ehe heiratete sie den Schweden John Lindgren.

Der Erste Weltkrieg verschärfte ihre Kritik an den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in Europa und Amerika. Mit dem Kriegsausbruch riss der Kontakt in die frühere Heimat vorübergehend ab und wurde erst 1919 wieder aufgenommen. In Briefen an ihre Waldkirchner Freundin Auguste Unertl zeigten sich ihre Sympathien für den Kommunismus und ihre Abneigung gegen Kapitalismus und Kirche. Mit Geld und Sachspenden versuchte sie, die Not im Bayerischen Wald zu lindern, obwohl sie selbst nur wenig hatte. In der Zeit der Prohibition in den USA braute sie in Chicago Bier für ihre Landsleute und den eigenen Bedarf.

Emerenz Meier starb am 28. Februar 1928 in Chicago im Alter von 53 Jahren an den Folgen einer Nierenentzündung. (Wiki)

Link zum Emerenz-Meier-Haus Waldkirchen


Sonntag, 26. Februar 2023

Iwan Goll: Messe für die Dichter / Die Flucht nach Lesbos / Reise ins Elend

 


Messe für die Dichter

Himmlisch geboren,
Knieen sie ihren Schmerz in die Erde:
Orphisches Opfer war ihre Losung.

Güte, o Güte
Schlummert wie Schnee
Um ihre ruhig offene Lippe.

Todeslächeln tropft um ihr Wolfsherz.
Sonnige Fackel
Qualmt ihr Gesang in den freienden Wind.

O ihre Seelen,
Herbe, halbgeöffnete Knospen
Morgenschimmernden Mandelbaums,

Fallen von den gebrochenen Zweigen,
Schlagen wie Sterne
In unsre Nacht.

Iwan Goll, aus: Requiem für die Gefallenen von Europa, Kommissionsverlag von Rascher & Cie, Zürich – Leipzig 1917

Die Flucht nach Lesbos

Gold
War gerollt In der Nacht,
Und beide, Clo und Gynn,
Tänzerin und Tänzerin,
Hatten getollt und hatten gelacht.

Aber morgens, von den Fräcken verlassen,
Fanden ihre blassen
Hände sich . . .
Morgen weinten Clo und Gynn,
Und sie flohen, Tauben im Winde,
Bis zur seligen Insel hin.

Und ihr nachtschwarzes Tanzgewand
Flatterte mit der Nacht über Land,
Dass sie nun standen wie rosa Wolken,
Dass sie Hände hielten wie Möwen,
Dass sie Hüften bauschten wie Wellen,
Dass sie Füsse trugen wie Muscheln,
Dass sie stiegen, morgengross,
Schoss an Schoss.

Yvan Goll, aus: Films (Verse), Verlag der expressionistischen Gedichte, Berlin Charlottenburg 1914

Reise ins Elend

Wie aber schmerzt die Menscheneinsamkeit,
wenn Landschaften mit gleichem Leid wie du sich von dir wenden
und in sich selbst versinken, dir so fremd!
Wenn klein ein Bahnhof dich in kalten Regen stößt,
ein Güterwagen leer und ohne Zukunft dich anbettelt.
Da kriecht ein fahler Gaul auf dunklem Acker,
oh, wenn der wüßte, daß du existierst
und du ihn liebst, ihm würden Flügel blau zum Himmel wachsen.
Manchmal schaut Wasser auf zu dir mit großen Augen,
und weil es nicht dein Lächeln sah,
fällt freudlos es und schal in sich zurück.
So läßt du alles dort allein. Es reißt dein Schicksal dich dahin.
Die alte Bucklige am Damm wird ewig nach dir blicken,
untröstlich steht das schreiende Plakat am schiefen Giebel.
So läßt du alles dort allein in unerfüllter Liebesdemut
und weißt es doch, daß, Einsamer, dich eine Stadt erwartet,
in der du weinen wirst die lange Nacht im billigen Hotel.

Aus der Anthologie Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts, DTV, 1962

Iwan Goll, auch Yvan Goll, geboren am 29. März 1891 in Saint-Dié, Frankreich, gestorben am 27. Februar 1950 in Paris, „hat keine Heimat: durch Schicksal Jude, durch Zufall in Frankreich geboren, durch ein Stempelpapier als Deutscher bezeichnet.

"Iwan Goll hat kein Alter: seine Kindheit wurde von entbluteten Greisen aufgesogen. Den Jüngling meuchelte der Kriegsgott. Aber um ein Mensch zu werden, wie vieler Leben bedarf es. Einsam und gut nach der Weise der schweigenden Bäume und des stummen Gesteins: da wäre er dem irdischen am fernsten und der Kunst am nächsten“. (Iwan Goll über sich selbst)

Das Besondere in Leben und Werk dieses Schriftstellers wird in seinen Gedichten, Dramen, Romanen und publizistischen Arbeiten deutlich: aus ihnen spricht die Tragik eines Daseins, das sich nicht erfüllt hat und nicht erfüllen konnte. Zwar gelang es Goll immer wieder, den Anschluss an die bewegenden künstlerischen Strömungen seiner Zeit zu finden, doch wurde er nie zu den ganz „Großen“ gezählt.“

aus: Ausgewählte Gedichte, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, Klappentext, 1982

Verheiratet war Iwan Goll mit der Dichterin Claire Goll, geboren als Klara Aischmann (1890 - 1977)

Felix Meyer: Du und Ich

 



Du und Ich

Wir sind von einer Wurzel,
Zwei Tropfen einer Flut,
Es rollt in unsern Adern
Das gleiche warme Blut.
Was mich geformt, gebildet,
Das gleiche schuf auch dich,
Im Fühlen gleich und Denken,
Zwei Hälften eines Ich.

Wir sind von einem Feuer
Zwei Funken in der Nacht.
Wir sind von einem Heere
Zwei Streiter in der Schlacht.
Wir sind auf einem Gipfel
Zwei Tannen sturmgefegt,
Zwei Kiesel eines Strandes,
Von gleicher Flut bewegt.

Was immer ich gesprochen,
Hallt nach in deiner Brust.
Was etwa du verschwiegen,
Ist gleichwohl mir bewusst.
Sich selbst im Andern finden,
Der Gnaden höchste ist.
Ich möcht die Hand dir drücken
Und danken, dass du bist.

Gleichwie auf einer Insel
Lebt jeder Mensch allein.
Und von der Nachbarinsel
Sieht höchstens er den Schein.
Drum gilts als holdes Wunder
Wenn Ruf, der hier erklingt,
Auf Flügeln sanften Windes
Zur Nachbarseele dringt.

Felix Meyer, Lebensdaten unbekannt, aus der Emigration in England 1933 - 1945, Typoskript, Leo Baeck Institute, New York

Das Leo Baeck Institut (LBI) ist eine unabhängige Forschungs- und Dokumentationseinrichtung für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums mit drei Teilinstituten in Jerusalem, London und New York City mit Zweigstelle in Berlin. Es wurde 1955 von Hannah Arendt, Martin Buber, Siegfried Moses, Gershom Sholem, Ernst Simon und Robert Weltsch gegründet und setzt sich zum Ziel, deutsch-jüdische Geschichte und Kultur wissenschaftlich zu erforschen und ihr Erbe zu bewahren.

Das Bild ist von Josef Eberz (1880 - 1942)